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Neuerscheinungen

Charlotte Wood Ein Wochenende

Ein Wochenende

Von Charlotte Wood

Die jahrelange Freundschaft drei völlig unterschiedlicher Frauen um die 75 Jahre wird an einem Weihnachtswochenende auf die Probe gestellt.

Gemeinsam räumen die drei das Strandhaus der vor kurzem verstorbenen vierten Freundin. Dabei kommen nicht nur längst vergessene Gegenstände wieder ans Tageslicht...

Ein Roman über die Fülle weiblicher Lebensentwürfe und die verschiedenen Phasen lebenslanger Freundschaften.

Scharf gezeichnet, klug und witzig und mit viel Empathie für die einzelnen Personen erzählt.

Kein & Aber Verlag, 2020, Fr. 33.60

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Victor Jestin Hitze

Hitze

Von Victor Jestin

Eigentlich will der 17-jährige Léonard nicht sein, wo er ist. Auf diesem Campingplatz am Meer mit Eltern und Geschwistern. Alles spitzt sich ins Unerträgliche zu, als er fast am Schluss des Urlaubs auf einem Spielplatz Zeuge wird, wie sich der Jugendliche Oscar stranguliert. Léonard greift nicht ein, sieht ihn sterben und vergräbt den Leichnam in den Dünen.  

Später schleppt er sich durch die letzten Stunden seiner Ferien, durch Parties, Karaokesingen, Spielplätze, die heile Welt seiner Familie.  „Geniesst es, dass sind eure besten Jahre!“, schreit man ihm nach. Das gutgemeinte „Nächstes Jahr kommen wir wieder!“, klingt für ihn wie eine Drohung, die den Alptraum ins Unendliche zieht. Doch irgendwann ist der Urlaub zu Ende, die Abreise naht und Léonard...

Der Autor beschreibt die Unsicherheit von Léonard hervorragend. Eine fesselnde Lektüre die nachdenklich stimmt.

Kein & Aber Verlag, 2020, Fr. 26.90

Eduard Hirschi

 
 
 

 
 
Dave Eggers Die Parade

Die Parade

Von Dave Eggers

Tut man automatisch Gutes, wenn man Gutes tun will?

Zwei Strassenbauer, aus Sicherheitsgründen nur Nr. Vier und Nr. Neun genannt, werden von einer internationalen Baugesellschaft in ein von jahrelangem Bürgerkrieg gezeichnetes Land geschickt. Ihr Auftrag: mit einer modernen, leistungsstarken Asphaltiermaschine den armen Süden mit dem reichen Norden des Landes verbinden.

Nr. Vier hat ähnliche Aufträge schon viele Male erledigt und möchte auch diesen mit möglichst wenig Zwischenfällen schnell und korrekt erledigen um baldmöglichst zu seiner Familie in seine Heimat zurückzukehren. Für Nr. Neun ist es der erste Einsatz. Nr. Neun ist abenteuerlustig, offen für Land und Leute, hilfsbereit und in seiner Art naiv.

Die Tage vergehen, die Strasse wird länger und die Konflikte zwischen den beiden nehmen zu. Bis einer der beiden lebensbedrohlich erkrankt.

Beide kommen an ihre Grenzen und müssen sich am Ende fragen, ob sie der Bevölkerung mit dem lediglichen Erfüllen ihres Auftrages wirklich hilfreich sind.

"In <Die Parade> wächst die Angst mit jeder Seite und jeder Meile, und am Ende wird alles auf den Kopf gestellt und wir werden mitten ins Herz der Dunkelheit geführt." (Buchumschlag)

Eine fesselnde Lektüre die nachdenklich stimmt.

Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2020, Fr. 31.-

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Alexi Zentner Eine Farbe zwischen Liebe und Hass

Eine Farbe zwischen Liebe und Hass

Von Alexi Zentner

Ein glaubhaft und mitfühlend geschriebener Roman über Fanatismus, Loyalität und Zugehörigkeit. Erzählt anhand einer eindrücklichen Familiengeschichte aus der amerikanischen weissen Unterschicht.

Im Mittelpunkt steht der 17-jährige Jessup. Seine Familie ist Mitglied der Heiligen Kirche des Weissen Amerika. Dank seinem Ehrgeiz ist Jessup schulisch und sportlich erfolgreich; er kümmert sich liebevoll um seine jüngere Schwester und ist verliebt. In eine schwarze Mitschülerin. Durch einen tragischen Unfall, kurz vor dem Übertritt ins College, gerät sein Leben völlig ins Wanken. Ein schwarzer Footballspieler der Gegenmannschaft stirbt, Jessup wird verdächtigt. Durch dieses Ereignis wird er gezwungen, sich mit sich selber und seiner Umgebung auseinanderzusetzen: was glauben? wem folgen? wen lieben?

Eindrücklich und packend erzählt. Auch für junge Erwachsene sehr empfehlenswert.

Suhrkamp Verlag, Broschur, 2020, Fr. 27.30

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Abbie Greaves Hör mir zu, auch wenn ich schweige

Hör mir zu, auch wenn ich schweige

Von Abbie Greaves

Die Geschichte von Maggie und Frank - Die Geschichte einer innigen Ehe - Die Geschichte einer zermürbenden Elternschaft - Die Geschichte eines missglückenden Heranwachsens.

Die Hauptakteure des Romans sind eigentlich Geheimnisse. Diese werden uns Lesenden langsam, eines nach dem anderen enthüllt, so dass die Geschichte bzw. das Verhalten der einzelnen Personen schlussendlich einen Sinn ergibt.

Maggie und Frank. Beide über 60 Jahre alt. Frank hat seit 6 Monaten nicht mehr mit Maggie gesprochen. Den Grund dafür kennt Maggie nicht. Erst als Maggie durch ein tragisches Ereignis selbst verstummt, beginnt Frank seine Geheimnisse preiszugeben. Gleichzeitig findet er Maggie's Tagebuch mit Aufzeichnungen der letzten 6 Monate und erfährt seinerseits die Geheimnisse seiner Frau.

Ein Roman über das Rätsel der Liebe und die Macht von Reden und Schweigen.

Nachvollziehbar und berührend erzählt... so dass man als Lesende die einzelnen Personen manchmal gerne schütteln würde, weil ihr Verhalten schwer auszuhalten ist.

Fischer Verlag, Broschur, 2020, Fr. 24.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Chandler Baker Whisper Network

Whipser Network

Von Chandler Baker

"Vier Frauen, ein übergriffiger Chef - und nicht alle überleben. Ehrlich, zeitgemäss und unglaublich packend." (Buchumschlag)

Bei den ersten Seiten habe ich geschnödet... ein typischer amerikanischer Bestseller voller Stereotypen... doch dann hat es mich hineingezogen und ich habe die 480 Seiten verschlungen.

Drei Karrierefrauen ein der Rechtsabteilung einer grossen Sportbekleidungsfirma in Dallas. Gleichzeitig Freundinnen. Eine vierte, jüngere, kommt hinzu. Später eine fünfte, die Reinigungsfrau die in Spätschicht die Büros reinigt. Alle haben sie den Glauben verloren, dass ihre Stimmen in der hierarchisch strukturierten und von Männern dominierten Firma gehört werden. Gleichzeitig beteiligen sie sich alle auf die eine oder andere Weise an diesen Strukturen, wenn es um die eigenen Vorteile geht.  Und festigen die Strukturen somit. Bis eine der Frauen den Namen des Chefs auf die Liste setzt, welche heimlich unter den von Whisper Network berufstätiger Frauen weitergereicht wird. Auf die Liste mit den Namen der Männer, vor welchen Frau sich in der Arbeitswelt von Dallas hüten muss.

Kurz darauf wird die Lister veröffentlicht und die Ereignisse überstürzen sich. Es kommt zu einem Todesfall: Mord oder Suizid?

Ein Thriller auf dem Hintergrund der #MeeToo-Ära, der Muster und Abhängigkeiten aufzeigt wie auch die Schwierigkeiten diese zu durchbrechen.

Heyne Verlag, 2020, Fr. 31.00 

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Delphin de Vigan Dankbarkeiten

Dankbarkeiten

Von Delphin de Vigan

Ein zärtliches Buch über Menschlichkeit.

Michka, die stets ein unabhängiges Leben geführt hat, muss feststellen, dass sie nicht mehr allein leben kann. Geplagt von Albträumen glaubt sie ständig, wichtige Dinge zu verlieren. Tatsächlich verliert sie nach und nach Wörter, findet die richtigen nicht mehr und ersetzt sie durch ähnlich klingende. Dies führt manchmal zu komischen Versprechern. «Gehen Sie nach draussen?»  «Ja, ein bisschen, mit Marie. Einmal die Woche. Früher habe ich Balkonwanderungen gemacht, aber das schaffe ich jetzt nicht mehr.» «Balkonwanderungen?» «Ja, hin und schwer, wie ein Häftling ... Zehn Längen und manchmal sogar zwanzig, wenn ich gut in Form war.»

Die junge Marie, um die Michka sich früher oft gekümmert hat, bringt sie in einem Seniorenheim unter. 

Delphine de Vigan entwickelt ihre Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven von Michka, Marie und dem Pfleger Jerome. Alle haben in ihrem Leben Verletzungen erlitten und Verluste erlebt. 

Der Roman spiegelt einfühlsam das Leben. Alter, Krankheit, Tod, Verletzungen und Verluste und auch die Bedeutung von Mitmenschlichkeit. Und er hinterlässt die Frage, wofür wir selber dankbar sein sollten und ob wir diese Dankbarkeiten auch genügend zeigen bzw. gezeigt haben.

„Dankbarkeiten“ ist ein Roman, wo ich dankbar bin, ihn gelesen zu haben. 

Dumont Verlag, 2020, Fr. 31.00 

Eduard Hirschi

 
 
 

 
 
Christopher Kloeble das Museum der Welt

Das Museum der Welt

Von Christopher Kloeble

Ein spannender Abenteuerroman auf dem Hintergrund von Indiens Kolonialzeit und aus der Perspektive eines klugen und selbstbewussten Waisenjungen aus Bombay.

Der äusserst intelligente, in einem jesuitischen Waisenhaus aufgewachsene 12-jährige Bartholomäus, spricht ebensoviele Sprachen, darunter auch Deutsch. Dies ermöglicht ihm, als Übersetzer für die deutschen Brüder Schlagintweit 1854 zu einer grossen Forschungsexpedition aufzubrechen und mit der Unterstützung von Alexander von Humboldt Indien und den Himalaya zu durchqueren.

Auf dieser Reise findet Bartholomäus vieles über sein Land heraus und er sehnt sich danach, das erste Museum Indiens zu gründen. Dafür sammelt er auf der Reise Objekte, Gefühle, Träume und Erinnerungen. Und erzählt uns anhand dieser ein Stück seiner eigenen Geschichte wie auch jener seines Landes.

Mit viel Witz und Menschlichkeit geschrieben, liest sich das Buch zugleich wie ein historischer als auch ein Abenteuer- und Spionageroman.  

dtv Verlag, 2020, Fr. 36.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Nick Hornby Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Von Nick Hornby

Eine Ehe in zehn Sitzungen. 

15 Ehejahre, die Beziehung steckt in einer Sackgasse und Tom und Louise machen bei Frau Kenyou eine Paartherapie. Tom ist Musikkritiker, arbeitslos, etwas bockig, schusslig… Louise ist Gerontologin, erfolgreich, taff und klug. 

Mittelpunkt des Buches sind nicht die Therapiesitzungen oder die Probleme in der Beziehung, sondern ein Pub, wo sich das Paar vor den Sitzungen trifft. Bei einem Pint und einem Glas Weisswein tauschen sie sich jeweils aus, dies in ironischem, sarkastischem und humorvollem Umgangston. 

«Das Problem ist: Die Ehe ist wie ein Computer. Man kann sie auseinandernehmen, um nachzuschauen, was drinsteckt, aber dann hat man hinterher hunderttausend Einzelteile in der Hand.»  

Die 10 kurzen Kapitel lesen sich «süffig», wie ein spannendes Drehbuch... ich habe es in einem Zug gelesen, denn ich wollte unbedingt wissen, was aus dem Paar schlussendlich wird.  

Kiepenheuer & Witsch, 2020, Fr. 27.90 

Eduard Hirschi

 
 
 

 
 
Im Garten von Monet Kaatja Verliere

Im Garten von Monet

Von Kaatje Vermeire

»Vielleicht verdanke ich es den Blumen, dass ich Maler geworden bin«, sagte Claude Monet. 

Kaatje Vermeire verdanken wir ein wunderschönes und farbenprächtiges Bilderbuch, das sich dem großen Meister der Natur- und Landschaftsmalerei nähert, ohne ihn zu imitieren. Monet ist auf jeder Seite anwesend - und doch findet Vermeire zu ihrem poetischen Text ihre ganz eigene Bildsprache. 

Für Gross und Klein ab 3 Jahren. 

Verlag Freies Geistesleben, 2020, Fr. 27.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Klaus Modick Leonard Cohen

Leonard Cohen

Von Klaus Modick

Um 1968 tingeln Lukas und Harry als Zwei-Mann-Band durch die deutsche Provinz, covern Beatles, Kinks und Donovan, und denken: Besser geht's nicht. Bis Lukas eines Nachts im Radio Leonard Cohens »Suzanne« hört, aber sich weder Titel noch Interpret merken kann... und auf die Suche nach dieser einen lebensverändernden Platte geht.  

«Lukas legte eine CD auf, «don’t dwell on what has passed away or what is yet to be –“, strich mit dem Zeigefinger über die Rücken von Cohens Büchern und zog das erste, das er gekauft hatte, aus dem Regal.» 

Eine wunderbare kurze Lektüre übers Erwachsenwerden. 

KiWi Musikbibliothek, 2020, Fr. 15.50

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Peter Zantingh Nach Mattias

Nach Mattias

Von Peter Zantingh

Ein sensibler Roman über acht unterschiedliche Personen, welche in irgendeiner Weise vom Tod von Mattias betroffen sind. Wie Puzzleteile fügen sich die Geschichten dieser Personen aneinander und geben uns Lesenden einen Eindruck über das Leben von Mattias. Über seine Begeisterungsfähigkeit, seine Wärme, seinen Mut. Aber auch über seine Sprachlosigkeit und seine Ausweichmanöver.

"Ein Roman der wachrüttelt und den Blick schärft für das, was wirklich von Bedeutung ist." (Klappentext)

Diogenes Verlag, 2020, Fr. 32.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Gianrico Carofiglio Drei Uhr Morgens

Drei Uhr Morgens

Von Gianrico Carofiglio

Die Geschichte einer Annäherung zwischen Vater und Sohn.

Für einen neurologischen Befund muss Teenager Antonio mit seinem Vater zu einem Arzt nach Marseille. Erst vor Ort erfahren die beiden, dass sie 48 Stunden nicht schlafen dürfen. In dieser Zeit lernen die beiden nicht nur Marseille bei Tag und bei Nacht, sondern sich auch gegenseitig völlig neu kennen. Denn zu Hause im Alltag haben Vater und Sohn wenige Berührungspunkte. Antonio lebt seit der Trennung der Eltern mit seiner Mutter und sieht den vielbeschäftigten Professorenvater nur selten. 

Ein berührend und gleichzeitig humorvoller Roman.

Folio Verlag, 2019, Fr. 31.00

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Susan Hill Die kleine Hand

Die kleine Hand

Von Susan Hill

Eine Gespenstergeschichte.   

England. Auf dem Lande. Es ist spät. Adam Snow, der mit wertvollen Büchern handelt, nimmt auf der Heimfahrt nach einem Kundenbesuch die falsche Abzweigung und findet sich vor einem alten verlassenen Haus wieder.  Neugierig steigt er aus und nähert sich dem verwilderten Anwesen, bis plötzlich eine kleine kalte Hand nach seiner greift... er steigt in sein Auto und fährt weiter. Zu Hause beginnt er nachzuforschen und erfährt immer mehr über das seltsame Haus. Immer wieder fühlt er auch den Griff der kalten Hand, der stärker und stärker wird...

Mit Gänsehaut-Garantie.

Kampa Verlag, 2019, Fr. 26.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Peter Weibel Schneewand

Schneewand

Von Peter Weibel

«Wenn wir jetzt gehen, sagte Leon, ist es noch möglich. Schon in einer, in zwei Stunden kann es zu spät sein.» 

Drei Personen werden auf ihrer Bergtour von einem Schneesturm überrascht und flüchten in einen Rettungscontainer. Fünf Tage würden sie dort überleben können, was danach kommt ist unklar. 

Eine Meditation über Solidarität, Hoffnung und Widerstand, eine Reise an existenzielle Grenzen.

Ein Buch wie ein Sog in die eigenen Tiefen...

Edition Bücherlese, 2019, Fr. 28.80

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Delia Owens Gesang der Flusskrebse

Der Gesang der Flusskrebse

Von Delia Owens

Neben <Alte Sorten> von Ewald Arenz ist das Debüt <Der Gesang der Flusskrebse> von Delia Owens mein zweites Lieblingsbuch im 2019.

Früh verlässt die Mutter von Kya ihre Kinder und lässt diese mit einem mehr ab- als anwesenden Vater alleine. Die älteren Geschwister gehen bald ihre eigenen Wege, so dass Kya auf sich selbst gestellt ist. Von allen "das Marschmädchen" genannt, wächst sie isoliert im Marschland von North Carolina auf. Ihre Welt ist die unmittelbare Umgebung. Sie kennt jeden Stein und Seevogel, jede Muschel und Pflanze. Den Menschen bleibt sie mit wenigen Ausnahmen fern.

In bewegend schönen Bildern und poetischer Sprache erschafft die Autorin mit der wilden Kya eine unvergessliche Heldin. Der Roman ist zugleich eine Ode an die Natur, eine herzzerreissende Liebesgeschichte und ein spannungsreiches Gerichtsdrama um einen Mord.

Hanserblau Verlag, 2019, Fr. 32.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Lukas Meschik Vaterbuch

Vaterbuch

Von Lukas Meschik

Ein philosophisch-poetisches Buch, geschrieben mit Liebe zum Detail und feinfühligem Humor.

Die Ich-Person, ein Schriftsteller, verarbeitet schreibend den Tod seines Vaters. 

"Ein trauernder Sohn schreibt, beobachtet sich selbst beim Schreiben und Lesen - Handke, Knausgard, Foster Wallace, Kafka, Hermann -, sinniert über Tod und Vergänglichkeit, über das Leben und die Mitmenschlichkeit. Er erinnert sich an kostbare Details, bewahrt kleine Szenen, schaut auf seinen Vater, auf sich und auf ihre Beziehung zueinander und vebietet sich dabei Larmoyanz und Bitterkeit." (Klappentext)

Eine würdevolle und feinfühlige Auseinandersetzung mit dem Tod eines Elternteils.

Limbus Verlag, 2019, Fr. 27.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
joachim schnerf wir waren eine gute erfindung

Wir waren eine gute Erfindung

Von Joachim Schnerf

Der alte Salomon bereitet sich aufs Pessachfest vor. Am Abend werden seine beiden Töchtern mit Ehemännern und Enkelkindern zu ihm kommen. Es wird das erste Pessachfest seit Jahren ohne seine Frau Sarah sein. Denn diese ist vor wenigen Monaten gestorben.

In den verbleibenden Stunden vor dem Eintreffen der Familie, folgen wir Salomons Gedanken... wechselnd zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

"Wie die Erinnerung an Sarah, an das gemeinsame Glück, aber auch die schweren Zeiten bewahren? Wie dieser Familie mit all ihren Neurosen ein neues Zuhause geben?" (Klappentext)

Ein wunderbar feinfühliger Roman darüber was es heisst, angesichts von Verlust und Grauen der Vergangenheit (Salomon ist Auschwitz-Überlebender) die Familie und das Leben allgemein neu zu (er)finden.

Antje Kunstmann Verlag, 2019, Fr. 27.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Violaine Bérot Doppelbruder

Doppelbruder

Von Violine Bérot

Kein Buch für Zartbesaitete.

"Ich wollte ein Kind, das hatte ich neulich beschlossen. Ich wollte ein Kind. Ich hatte mir alles gut überlegt. Von den Kerlen hatte ich die Schnauze erst mal voll. Jetzt fand ich, war ich in einem Alter für die ernsten Dinge des Lebens." Von einem Fernfahrer lässt sich <Die Mutter> schwängern. Doch es kommt anders als geplant. "Zwei auf einmal! Dieser Dreckskerl hat mir zwei auf einmal gemacht! Ich wollte ein Kind, und soviel ich weiss, ist das für einen Typen kein Hexenwerk, einem Mädel ein Kind zu machen. Aber nein, der Kerl musste einen auf dicken Maxe machen und noch einen drauflegen. Zwei auf einmal..."

Und damit beginnt die tragische Geschichte. Denn die Liebesgefühle der Mutter reichen lediglich für ein Kind, für Titou. <Der Andere>, Titous Zwillingsbruder, vernachlässigt sie völlig. Bis Titou als Jugendlicher die erdrückende Liebe der Mutter nicht mehr aushält und sich mit dem <Anderen> verbündet.

"Meine Mutter glaubt, dass sie ein Recht auf eine zweite Chance hat, dass sie alles Knall auf Fall hinschmeissen kann, um neu und besser anzufangen. Sie hat nichts vom Leben verstanden." Dies die Worte von Titou am Ende des Buches.

Psychologisch durchdacht und mit starkem Sog. Wer sich auf die Geschichte, abwechselnd erzählt aus der Sicht aller Beteiligten, einlässt, wird das Buch bis zur letzten Seite in einem Zug lesen wollen...

Ein mutiges Buch aus einem kleinen Zürcher Verlag.

Pearlbooksedition, 2019, Fr. 27.50

Monika Künzler

 
 
 

 
 
martyna bunda das glück der kalten jahre

Das Glück der kalten Jahre

Von Martyna Bunda

Das literarische Debüt der polnischen Journalistin Martyna Bunda: eine starke, weibliche Familiensaga.

Im Zentrum des Romans steht Rozela, alleinerziehende Mutter dreier Töchter. Umwoben wird deren Geschichte mit den Lebensgeschichten dieser Töchter: Gerta, der Vernünftigen; Truda, der Lebenshungrigen und Leidenschaftlichen; Ilda, der Motorradfahrerin. Eingebettet in die Vor- und Nachkriegszeit Polens, begleiten wir als Lesende die vier völlig unterschiedlichen Frauen und nehmen an deren Leben im einem kaschubischen Dorf in der Nähe von Danzig teil. 

Es sind die präzisen und immer wieder auch humorvollen Alltagsbeschreibungen sowie der laufende Wechsel zwischen Bildern von Unschuld, Lebenshunger und Zerstörung, welche den Roman so lebendig machen. Erzählt wird die Geschichte in stetiger Abwechslung aus der Sichtweise der vier Frauen.

Suhrkamp Verlag, 2019, Fr. 37.50

Monika Künzler

 
 
 

 
 
simenon das blaue zimmer

Das blaue Zimmer

Von George Simenon

Wie viele Bücher Simenon tatsächlich geschrieben hat, ist nicht bekannt. Gemäss seinem Biografen Patrick Marnham sind es knapp 200 unter dem eigenen Namen und gute 200 unter Pseudonymen. Am bekanntesten sind wohl seine Maigret-Krimis.

<Das blaue Zimmer> erschien erstmals 1964 und wurde nun als eines von vielen Simenon-Taschenbüchern vom Atlantik Verlag neu herausgegeben.

In diesem Roman begleiten wir die Hauptperson Tony auf seinem Spiralweg nach unten, vom erfolgreichen Geschäftsmann und Familienvater... bis es keinen Ausweg mehr für ihn gibt. Die Geschichte beginnt mit einem Treffen von Tony mit seiner Liebhaberin Andrée im blauen Zimmer eines Hotels in einer französischen Provinzstadt und endet in einem Gerichtssaal.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Weshalb, kann ich nicht genau sagen. Vielleicht, weil es einfach zu lesen und die Geschichte gut konstruiert ist, vom Anfang bis zum Schluss eine leichte Spannung und eine sich immer wieder verschiebende Sympathie und Antipathie für die verschiedenen Personen vorhanden war. Vielleicht auch, weil es Simenon gelungen ist, die Geschichte einer dramatischen Obsession völlig undramatisch zu schildern und sie wahrscheinlich gerade deshalb "unter die Haut geht".

Atlantik Verlag Tb, 2019, Fr. 17.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
saskia luka tag für tag

Tag für Tag

Von Saskia Luka

Grossmutter, Mutter, Tochter. Drei starke, eigensinnige Frauen leben für kurze Zeit unter einem Dach.

Maria, als junge Frau nach Deutschland gezogen, holt ihre alte Mutter Lucia aus ihrem abgelegenen Dorf in Kroatien zu sich nach Bayern. Durch das neue Zusammenleben gelangen die von Maria hart erarbeiteten Integrationsleistungen und Wertvorstellungen ins Wanken. Gleichzeitig beginnt die 17-jährige Tochter Anna sich intensiv mit ihren eigenen Wurzeln, dem Herkunftsland Kroatien und dessen Sprache auseinanderzusetzen.

Was ist Heimat?

Eine Liebeserklärung ans Leben mit all seinen Wirrungen und Wendungen.

Kein & Aber Verlag, 2019, Fr. 28.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
robert prosser gemma habibi

Gemma Habibi

Von Robert Prosser

Lorenz studiert in Wien im Nebenfach Kultur- und Sozialanthropologie. Angeregt durch die Lehrveranstaltung <Einführung in den Islam>, entscheidet er sich in den Semesterferien nach Syrien zu reisen. In einem Hostel in Damaskus lernt er zwei Personen kenne, welche in seinem Leben immer wieder eine wichtige Rolle spielen werden: Elena und Z. Elena, eine deutsche Fotografin, die sich durchs Fotografieren weltpolitischer Geschehnisse den Schritt in die Selbständigkeit erhofft. Z, Rezeptionist des Hostels und leidenschaftlicher Hobbyboxer.

Als Lorenz ein halbes Jahr später fürs Semester zu qualitativen Forschungsmethoden ein soziales Umfeld aussuchen muss in dem Menschen diverser Herkunft zusammentreffen, entscheide er sich für einen Boxclub. Von der Welt des Boxens fasziniert, beginnt er selber mit dem Boxen. Er trainiert, willö es bis zur Meisterschaft schaffen. Zwischendurch begleitet er immer wieder Elena auf ihren Reisen in Krisengebiete.

Kurdistan, Wien, Ghana: Drei Welten, drei Leben, drei Runden im Boxring.

"Ein fulminantes Porträt der Jetztzeit." (Klappentext)

Ullstein Verlag, 2019, Fr. 33.60

Monika Künzler

 
 
 

 
 
roswitha ziegler es war doch nur sex

Es war doch nur Sex

Von Roswitha Ziegler

15 völlig unterschiedliche Kurzgeschichten über Liebe und Erotik... über Sehnsuchtsgefühle die das Alltagsleben würzen, aber auch vereinnahmen können. Erzählungen übers Hoffen, Sich-einlassen und Enttäuschen. Übers Aufflammen, Lodern und Erlöschen. Übers Festhaltenwollen und Loslassenmüssen. - Vom Jüngling bis zur alten Dame, von der jungen Frau bis zum älteren Herrn.

In knapper, präziser und doch verspielter Sprache beschreibt die deutsche Autorin ihre Hauptpersonen. Feinfühlig, tiefgründig und augenzwinkernd  behandelt sie eines der Grundthemen des Menschen.

Kurz, prägnant und äusserst menschlich! Eine Trouvaille aus dem kleinen, feinen Bieler Verlag.

verlag die Brotsuppe, 2019, Fr. 25.00

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Arif Anwar Kreise ziehen

Kreise ziehen

Von Arif Anwar

Ich liebe Geschichten, die aus verschiedenen Erzählperspektiven ein Ganzes ergeben. In diesem Roman folgen wir dem Schicksal verschiedener Personen von 1942 bis 2004. Wir erfahren die ganze Komplexität der Geschichte von Indien.

Die Hauptperson der Gegenwart 2004 ist der Doktorand Shahryar aus Bangladesch, der in der USA eine Tochter hat aber kein Visum bekommt für einen längeren Aufenthalt. Seine Wurzeln liegen im Golf von Bengalen in einem armen Fischerdorf von Bangladesch, wo  1970 der gewaltige Bhola-Zyklon das Land verwüstet hat. Die Ausgangslage des Romans ist eine Fischersfrau, die versucht, sich vor diesem Sturm zu retten.

Arif Anwar´s Schreibweise ist nicht linear und das macht es zu einem intensiven und fesselnden Leseerlebnis. Die offenen Enden der Kapitel erschließen sich mit der Zeit zu einer hoffnungsvollen Auflösung. Die präzise und bildliche Sprache beschreibt die Urkraft der Natur und das Zusammenspiel mit den menschlichen Charakteren, ein Kunstwerk in vielerlei Hinsicht! Der Autor ist ein Naturtalent, für sein Debüt gebe ich ihm meine persönliche Bestnote!

Wagenbach Verlag, 2019, Fr. 37.40

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Friedemann Karig Dschungel

Dschungel

Von Friedemann Karig

Als sein bester Freund Felix auf einer Reise in Kambodscha spurlos verschwindet, folgt ihm der Held dieses rasanten Romans in den Dschungel - und zurück in die Kindheit.

Ein Roman übers Erwachsenwerden und den Sinn des Lebens. Übers Reisen durch die eigene Innenwelt und in ferne Länder. Übers Wahrnehmen und Ausloten von Grenzen, übers Loslassen, Sichverlieren und Ankommen.

Eine neue Art von Reise- und Abenteuerroman.

Ullstein Verlag, 2019, Fr. 33.60

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Carys Davies West

West

Von Carys Davies

Ein stimmiges Titelbild, das neugierig macht!

Cy Bellmann ist ein einfacher Siedler und Witwer aus Pennsylvania (1815). Er ist fasziniert von einem Zeitungsausschnitt, in dem die Rede ist von gigantischen Knochen, die in einem Sumpf von Kentucky gefunden wurden. Nun will er dorthin aufbrechen, weil er überzeugt ist, solche Mammutkreaturen lebend anzutreffen. Dafür lässt er seine zehnjährige Tochter Bess in der Obhut ihrer ruppigen Tante zurück mit dem Versprechen, nach 1-2 Jahre wieder nach Hause zu kommen.

Was macht diese Geschichte so einzigartig? Es ist die schlanke und kraftvolle Sprache, die abwechslungsweise die abenteuerliche Reise von Cy in den tiefen Westen  beschreibt und die Welt der alleingelassenen Bess, die in dieser Zeit zu einer jungen Frau heranwächst. Es ist eine Geschichte voller Hoffnung aber auch voller Entbehrungen. Werden die vielen Briefe, die Cy schreibt bei Bess ankommen, oder was passiert mit den Gegenständen der verstorbenen Frau von Cy, die er mitgenommen hat als Tausch für die Indianer? 

Lest diese fesselnde Geschichte und ihr werdet begeistert sein!

Luchterhand Verlag, 2019, Fr. 31.00

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Ein liebendes Tier Josephine Rowe

Ein liebendes, treues Tier

Von Josephine Rowe

"In ihrem mitreissenden Debüt erzählt Josephine Rowe von einer Familie, die nicht mehr die Kraft aufbringt, sich gegen das Unheil zu stemmen, das sie sich selbst zufügt." (Klappentext)

Eine abgelegene Kleinstadt im Südwesten Australiens, Anfang der Neunzigerjahre. Eine Mutter, ein Vater, zwei Töchter und ein Onkel. Durch den knappen aber liebevollen Schreibstil, sind wir Lesende den Figuren des Romans so nah, dass das Geschriebene manchmal schwer auszuhalten ist.

Ein Roman über Liebe und Verlust, über die zerstörerische Kraft nichtbehandelter Traumatas, über enttäuschte Träume, übers Anpassen, Ausbrechen und Überwinden.

Psychologisch nachvollziehbar, tiefgründig, kraftvoll, poetisch.

Liebeskind Verlag, 2019, Fr. 31.00

Monika Künzler

 
 
 

 
 
ewald arenz alte sorten

Alte Sorten

Von Ewald Arenz

Die Geschichte birgt einen Zauber, dem man sich nicht entziehen kann! Ich habe selten  ein Buch gelesen, in der die Natur so intensiv und sinnlich beschrieben wird. Ebenso schafft es der Autor meisterhaft, die unterschiedlichsten Gefühle der beiden Protagonistinnen in Worte zu fassen.

Zur Handlung: Die Bäuerin Liss trifft in ihrem Weinberg auf die siebzehnjährige Sally. Sally hat eine grosse Wut im Bauch und ist aus der Psychiatrie geflohen. Die alleinstehende und wortkarge Liss nimmt Sally mit auf ihren Hof, wo sie bleiben darf. Durch die Arbeit und die Natur findet Sally langsam wieder zu sich selbst und es entsteht eine zarte Freundschaft zwischen den Frauen. Eine Freundschaft, an der Liss an ihre Grenzen kommt. Verletzungen und Erinnerungen von früher werden wieder wach. Die Lage spitzt sich zu, auch bei Sally, als ihre Eltern auftauchen...

Die Faszination an dieser Geschichte liegt in der Beschreibung, wie sich diese Freundschaft sachte und einfühlsam entwickelt. Parallel dazu spüren, riechen und sehen wir die Natur in ihrer vollen Pracht. Ein Lesegenuss pur!

Dumont Verlag, 2019, Fr. 31.00

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
raffaella romagnolo bella ciao

Bella Ciao

Von Raffaella Romagnolo

Zurzeit werden viele italienische Autorinnen übersetzt, die die Familiengeschichten mit den historischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts verknüpfen: Elena Ferrante, Francesca Melandri und neu Raffaella Romagnolo. Es sind Geschichten, die ein faszinierendes und authentisches Bild der italienischen Gesellschaft jener Zeit widerspiegeln.

Zum Roman: 

1946 kommt Giulia Masca nach fast 50 Jahren in ihr Heimatdorf im Piemont zurück und erinnert sich in Rückblenden an ihre schwierige Kindheit und Jugendzeit. Sie ist in jungen Jahren mit wenig Geld «Hals über Kopf» nach New York geflüchtet, da ihre beste Freundin sie hinterging. Jetzt als ältere Frau möchte sie ihrer Freundin von damals nochmals begegnen.

Äusserst differenziert und sprachgewaltig werden die politischen Unruhen Italiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschildert. Es sind Geschichten einer Arbeitergeneration, die aus der Sicht der Familienmitglieder erzählt werden. Gleichzeitig erfahren wir durch die Auswanderung von Giulia, unter welchen Umständen die italienischen Auswanderer in Amerika versuchen, ein neues Leben aufzubauen.  Die Erzählstruktur und die vielen Personen machen die Lektüre anspruchsvoll, das Leseerlebnis macht es umso intensiver.

Diogenes Verlag, 2019, Fr. 35.90

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
john lanchester die mauer

Die Mauer

Von John Lanchester

Irgendwann - vor dem Klimawandel - baute man um die britische Insel eine rund 10'000 km lange Mauer um das Land vor dem Anstieg der Meeresspiegel zu schützen. Der Roman <Die Mauer> beginnt als der Klimawandel schon passiert ist und Männer wie Frauen als Verteidiger zwei Jahre lang in lebensbedrohlichen Zwölf-Stunden-Schichten vor den "Anderen" auf der Mauer Schutzdienst machen müssen. 

<Die Mauer> weist auf ein eintöniges Leben hin und so war für mich auch das Einlesen. Dann passiert das, was jeder "Verteidiger" fürchtet: Angriffe der "Anderen", ein Kampf auf Leben und Tod, mit furchtbaren und doch klaren Konsequenzen auf beiden Seiten. Die Hauptfigur im Roman ist Joseph Kavanagh. Wir erhalten Einblick auf das Beziehungs- und Gefühlsleben von ihm. Aber auch auf die Zukunftsvorstellungen nach dem 2-Jährigen Dienst. 

Eine Überwachungsgesellschaft, die für Mauerbezwinger die Todesstrafe oder Versklavung vorsieht. Was John Lanchester in seinem neuen Roman als Szenario für eine vielleicht gar nicht mehr so ferne Zukunft sieht, stimmt nachdenklich.  Als Vater habe er sich ausgemalt, welchen Einfluss Klimaschutz-Konflikte aufs Familienleben haben könnten, sagte Lanchester. "Das könnte innerhalb von Familien zu Brüchen führen." 

"Es ist kalt auf der Mauer" - so beginnt und so endet der Roman, der viele aktuelle Themen (Mauer zu Mexiko, Brexit, Klimawandel) anschneidet. Trotz etwas schwachem Ende finde ich <Die Mauer> einen lesenswerten Roman. 

Klett-Cotta Verlag, 2019, Fr. 36.90

Eduard Hirschi

 
 
 

 
 
maureen daly siebzehnter sommer

Siebzehnter Sommer

Von Maureen Daly

Der Klassiker über einen Sommer der alles verändert. Eine erfreuliche Taschenbuch-Neuausgabe in zeitgemässer Übersetzung des im Jahre 1942 erschienenen Coming-of-Age-Romans.

Viel passiert eigentlich nicht in dieser Geschichte. Doch das erste Verlieben der jungen Angie Morrow und das kleinbürgerliche Leben in einer Kleinstadt der USA werden von der Autorin so hingebungsvoll und unprätentiös beschrieben, dass wir als Lesende das Gefühl haben, die Auserwählten zu sein um einen Sommer lang die junge Protagonistin auf dem kurzen, jedoch prägenden Lebensabschnitt begleiten zu dürfen.

Eine Mischung aus Poesie und berührender Ehrlichkeit!

Kein & Aber Verlag, 2019, Fr. 16.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
charles lewinsky der stotterer

Der Stotterer

Von Charles Lewinsky

Was macht die Macht des geschriebenen Wortes mit uns Menschen oder umgekehrt? Diese Frage habe ich mir beim Lesen immer wieder gestellt. Der Stotterer und zugleich Protagonist des Romans kann schreiben und wie! Er sitzt aber im Gefängnis! Sein Leben erzählt er rückblickend in Briefen und Bekenntnissen an den Gefängnispfarrer, als Deal. Im Gegenzug bemüht sich der «Padre», dass er die Stelle als Gefängnisbibliothekar bekommt.

Bald merkt man, der Stotterer ist intelligent, sein Einfühlungsvermögen und seine Menschenpsychologie ist bemerkenswert. Da er mehr stottern als sprechen kann, nutzte er sein Schreibtalent als eigenen «Beruf», betrog und manipulierte damit viele Menschen.  Eine zentrale Rolle spielt seine Kindheit, die traumatischen Erinnnerungen, die ihn beim Schreiben heimholen und uns ein unglaubliches Finale des Romans beschert.

Die Erzählweise ist gnadenlos ehrlich, witzig und wortgewandt, er philosophiert und reflektiert über sich und die Menschheit. Lewinsky schafft es, dass man den Erzähler zu mögen beginnt obwohl man ihm nicht wirklich begegnen möchte! Das macht die Geschichte unterhaltsam und doch auch so nachdenklich!

Textausschnitt an den «Padre» (Seite 297): "Wie werden Sie sich später einmal an mich erinnern? Ich hoffe doch: als an jemanden, der Sie nicht gelangweilt hat. Es muss Sie nicht reuen, dass es Ihnen nicht gelungen ist, einen besseren Menschen aus mir zu machen. Wenn ich mich umsehe, scheint mir, dass das Erschaffen von guten Menschen ein Kunststück ist, das auch dem lieben Gott nur selten gelingt."

Diogenes Verlag, 2019, Fr. 33.90

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
jocelyne saucier niemals ohne

Niemals ohne sie

Von Jocelyne Saucier

Eine Familie mit 21 Kindern! Diese aussergewöhnliche Begebenheit hat mich neugierig gemacht. In fünf Kapiteln erzählen nacheinander fünf Geschwister in Rückblenden den Alltag der Grossfamilie Cardinal. Anlass ist ein Familientreffen, wo sich alle nach 20 Jahren wiedersehen. Sie sprechen vor allem über das gleiche schmerzliche Geheimnis, das sie in der Kindheit erlebt haben, davon man aber nicht spricht. Sie versuchen zu vergessen, sich zu erinnern, jede Person sucht nach einer Wahrheit.

In der Familie geht es wild und unberechenbar zu und her. Jedes Kind muss seinen Platz verteidigen. Man kämpft um die Kleider, um das Sofa, um die Gunst des Anführers, um die Unabhängigkeit der Familie. Die Mutter ist seltsam abwesend und meistens am Kochen. Wenn der Vater nicht in der kanadischen (Québec) Dorfmine arbeitet, ist er im Keller und beschäftigt sich mit den gefundenen Mineralien. Genaue Beschreibungen und Geschehnisse in der Mine liest man mit Gänsehaut. Ebenso spürt man die verzweifelte Hoffnung auf ein klein bisschen mehr Luxus, der nicht eintrifft, der Vater sagt dazu: »Ich habe mein Leben lang knapp neben dem Glück nach Erz gesucht« (S. 230). Mit Spannung erwartet man den Schluss und die Auflösung vom Geheimnis.

Manchmal lustig, traurig, zärtlich, tragisch…. Die verschiedenen Erzählperspektiven ergeben zusammen wie in einem Puzzle ein faszinierendes Bild dieser Gemeinschaft. Die erfolgreiche kanadische Autorin hat ein sehr genaues Gespür für psychologische, gesellschaftliche und soziale Themen. Das hat sie mit diesem Buch ein weiteres Mal bewiesen!

Insel Verlag, 2019, Fr. 31.-

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Birgit Vanderbeke alle, die vor uns da waren

Balg

Von Tabea Steiner

Ein eindrückliches Buch, sei es vom Inhalt her wie auch von der Sprache.

Die ostschweizer Autorin deutet vieles nur an und schafft dadurch eine manchmal fast nicht auszuhaltende Spannung zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern eines ländlichen Dorfes.

Im Mittelpunkt steht Timon, zu Beginn Kleinkind, am Ende Jugendlicher, der sich immer eingeengter und ausgeschlossener fühlt. 

Die Autorin wechselt immer wieder die Perspektiven, so dass wir abwechselnd aus Sicht der alleinerziehenden Mutter, des Nachbarn und ehemaligen Dorflehrers, der Grossmutter und von Timon selber den Verlauf der Geschichte erfahren.

Ein Roman über Sprachlosigkeit, Vertrauen, Verzweiflung, Träume und Vernachlässigung. 

Ein weiterer sehr empfehlenswerter Roman aus dem Programm des kleinen aber feinen Verlages aus Luzern.

edition Bücherlese, 2019, Fr. 29.-

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Birgit Vanderbeke alle, die vor uns da waren

Alle, die vor uns da waren

Von Birgit Vanderbeke

Birgit Vanderbekes Romane faszinieren mich. Ich glaube, es liegt an ihrem knappen Schreibstil und der Kombination einer Art "Coolness" und gleichzeitig grosser Menschlichkeit.

Der aktuelle Roman liest sich wie ein Puzzle durch ein Jahrhundert. Der rote Faden dazu bilden die Gedanken, Bilder und Dialoge der Erzählerin, welche eine Einladung ins ehemalige Ferienhaus von Heinrich Böll erhalten hat. In der Abgeschiedenheit auf einer irischen Insel denkt sie über ihre eigene Kindheit, die Gegenwart, ihren Sohn und die mögliche Zukunft ihres Enkels nach. Ihre Gedanken ranken sich wie Äste und Wurzeln einer Pflanze mal hier-, mal dorthin.

Ich hoffe, Birgit Vanderbeke schreibt noch ganz viele Bücher...

Piper Verlag, 2019, Fr. 31.-

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Kuss von Simone Meier

Kuss

Von Simone Meier

Beziehungs- oder Gesellschaftsroman? Beides!

"Von drei möglichen Liebesgeschichten finden mindestens eineinhalb nur in der Fantasie statt. Doch dann kommt alles zusammen und aus einem Zufall wird ein Unfall." (Klappentext)

Die zürcher Autorin und Journalistin lässt uns hinter die Fassaden der Leben einiger urbaner Thirtysomethings blicken. 

Ein rasanter, tiefgründiger Roman, mit viel Witz und Freude an der Sprache geschrieben. Schonungslos, mit sich zuspitzendem Ende. Und beim Zuklappen des Buches bleibt eine beklemmende Ratlosigkeit.

Ich habe das Buch "verschlungen".

Kein & Aber Verlag, 2019, Fr. 29.50

Monika Künzler

 
 
 

 
 
lars mytting die Glocke im See

Die Glocke im See

Von Lars Mytting

Dies ist eine literarische Reise in das Jahr 1880, in ein abgelegenes norwegisches Dorf  im Tal «Gudbrandsdalen». Sehr stimmungsvoll und bildhaft erzählt der Autor von den Einwohnern und vom  entbehrungsreichen bäuerlichen Leben. Zum Dorf gehört eine uralte Stabskirche mit zwei sagenumwobenen Glocken. Der neue Pfarrer will aber die Kirche an Dresden verkaufen damit eine grössere gebaut werden kann. Doch die alten Traditionen lassen sich nicht so leicht ändern und Geschichten rund um diese Glocken werden wieder wach. Um den Abbau der Kirche zu planen, kommt ein junger Architekturstudent aus Dresden ins Dorf und trifft Astrid. Sie ist von ihm fasziniert und will aber gleichzeitig diese Glocken retten, da sie mit ihrer Familie zu tun haben. Wird es ihr gelingen?

Lars Mytting schafft es, dass vor meinem inneren Auge ein sehr genaues Bild dieser Gegend entstanden ist. Ich bin in eine Zeit versetzt worden, wo Mythen und Aberglaube fest im Leben verankert sind. Gleichzeitig spürt man den Aufbruch einer neuen Zeit! Dieser Spannungsbogen hat der Autor meisterhaft umgesetzt. Ein aussergewöhnlicher historischer Roman, der sich inhaltlich und sprachlich deutlich abhebt vom « Mainstream» dieser literarischen Gattung.  

Insel Verlag, 2019, Fr. 37.40

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
christina lauren nichts als liebe

Nichts als Liebe

Von Christina Lauren

Immer mal wieder verschlinge ich einen rührenden Liebesroman mit kitschigem Cover. Wenig kann mich dann jeweils vom Lesen abhalten... wahrscheinlich hormonell bedingt. - Wie auch immer... Die Lesestunden sind auf jeden Fall immer sehr schön, denn trotz schwieriger Beziehungsmuster und Alltagskrisen finden sich die jeweiligen zwei zu einem happy end. So auch in diesem Buch:

Nach dem Tod der Mutter sucht Macy mit ihrem Vater einen Neuanfang in den Weinbergen um San Francisco, wo Elliot von nebenan schon bald ihr bester Freund wird. Sie reden über Bücher, über Lieblingswörter und Elliott wird zu dem einzigen Menschen, dem sich Macy wieder öffnen kann. Doch dann kommt es zu einem Missverständnis und darauf zu einem Bruch. Erst elf Jahre später begegnen sich die beiden zufällig wieder...

"Eine gross Geschichte über die Schönheit, aber auch die Zerbrechlichkeit der Liebe, über den Trost, den wir in Büchern finden, und darüber, wie einem wahre Verbundenheit zu einem anderen Menschen die Kraft geben kann, auch den grössten Schmerz hinter sich zu lassen." (Klappentext)  

Aufbau Verlag, 2018, Taschenbuch Fr. 19.60

Monika Künzler

 
 
 

 
 
urs faes raunächte

Raunächte

Von Urs Faes

Diese Kurzgeschichte, 65 Leseseiten mit Illustrationen von Nanne Meyer, hat mich beim Lesen verzaubert:

Manfred kehrt nach vielen Jahren heim in den verschneiten Schwarzwald, seine Heimat. Er erinnert sich an die Kindheit, an den heftigen Erbstreit mit dem Bruder um den väterlichen Hof und an Minna, die sich für seinen Bruder entschieden hat. Gleichzeitig lauschen wir den stimmungsvollen Naturbeschreibungen zu. Die Bedeutung der Raunächte erahnen wir durch die Sprache, die mich wie in einem Märchen in eine andere Welt versetzt hat:» Sein Blick ging ins Nebelgrau, aus dem die verhüllten Stämme ragten, die Spitzen dunkler Tannen, als würden sie hängen, baumeln an unsichtbaren Wäscheleinen.» (Seite 9)

Ich bin beeindruckt was Sprache alles erreichen kann!  

Insel Verlag, 2018, gebunden, Fr. 19.60

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
wer hat den Schnee gestohlen

Wer hat den Schnee gestohlen?

Von Yaroslava Black und Ulrike Jänichen

Gerda wünscht sich für die Weihnachtstage so sehr den Schnee, der einfach nicht kommen will! Sie fragt die Nachbarn und erhält Antworten, die sie nicht versteht: Der Schnee könne ihnen «gestohlen bleiben». Wurde er wirklich gestohlen? Gerda geht auf die Suche.

Ein wunderbares Bilderbuch, dass den Schneezauber wieder aufleben lässt, herausgegeben zweier Wort- und Bildkünstlerinnen, ideal für die Weihnachtszeit, ab 3- 4 Jahren.

Urachhaus Verlag, 2018

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
juli zeh neujahr

Neujahr

Von Juli Zeh

En psychologischer Familienroman.

Henning verbringt Neujahr mit Frau und Kindern auf Lanzarote. Er erhofft sich Erfolg und Stärkung. Seit der Geburt seiner Tochter leidet er an Panikattacken und Angstzuständen. Seine Frau reagiert immer ungeduldiger auf sein phlegmatisches Wesen.

Henning hat sich den Vorsatz genommen, wieder das Velofahren aufzunehmen, in der Hoffnung dadurch Stress abzubauen, zu Kräften und zu klarem Kopf zu kommen. Um dem neuen Jahr zu beweisen dass er es ernst meint, fährt er am 1.1. alleine Frühmorgens Richtung Aufstieg nach Fernés. Ohne Training und Proviant. Als er völlig erschöpft den Pass erreicht und auf der Suche nach Wasser und etwas zu Essen zu einem abgelegenen Haus gelangt, wird ihm klar, dass er in eben diesem Haus als Kind mit Eltern und Schwester einmal in den Ferien war. Langsam erinnert er sich, was sich damals Schreckliches zugetragen und er bis heute verdrängt hatte...

Glück? - Unglück? - Schicksal?

Spannend, nachvollziehbar und anregend, sich wieder einmal mit existentiellen Fragen auseinander zu setzen...

Luchterhand Verlag, 2018

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Jason reynolds ghost jede menge leben

Ghost. Jede Menge Leben

Von Jason Reynolds

Ghost ist der selbsterfundene Spitzname von Castle Cranshaw, 13-jährig. Er lebt mit seiner Mutter im ärmsten Quartier einer Grossstadt. Freunde hat er keine.

Um sein Leben gerannt ist er vor 4 Jahren, zusammen mit seiner Mutter, als sein Vater unter Alkoholeinfluss versucht hatte die beiden zu erschiessen. Seither weiss Ghost, dass er ein guter Läufer ist. Als er einmal aus Langeweile einen Sprinter beim Training herausfordert, wird er von dessen Trainer entdeckt und ins Laufteam aufgenommen. Zusammen mit drei weiteren neuen Mitgliedern.

Von da an ändert sich einiges in Ghosts Leben. Langsam gelingt es ihm, sich mit seiner Vergangenheit zu versöhnen. Und sein Davonrennen wandelt sich immer mehr zu einem zielgerichteten Rennen.

"Roh und poetisch und ebenso lustig wie rührend." (Booklist)

Ein Jugendbuch ab 12 Jahren.

<Ghost> ist der erste von 4 Bänden. Je ein Band ist einem der neuen Teammitglieder der Laufmannschaft gewidmet. 

dtv Verlag Reihe Hanser, 2018

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Burghart klaussner vor dem anfang

Vor dem Anfang

Von Burghart Klaussner

Dem Autor gelingt es, ein tragisches Thema mit viel Menschlichkeit und feinem Humor zu beschreiben.

Berlin, 1945, kurz vor Kriegsende. Die beiden Soldaten Fritz und Schultz, welchen es bis jetzt gelungen war sich an sicheren Orten aufzuhalten, erhalten den Auftrag eine Geldkasse mit dem Fahrrad quer durch die zerschossene und besetzte Stadt zu transportieren. Ein äusserst gefährliches Unterfangen. Völlig unterschiedlicher Natur, sind die beiden Männer plötzlich aufeinander angewiesen.

Als Lesende werden wir mit den beiden durch das Berlin in den letzten Kriegstagen geführt. Immer wieder müssen sich die beiden verstecken. In den Warte- und Ausharrzeiten geht Fritz gedanklich zu anderen Lebensabschnitten zurück und dadurch werden er und sein Handeln für uns Lesende immer fassbarer.

Ein kraftvoller Roman über die Hoffnung auf einen neuen Anfang! 

Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2018

Monika Künzler

 
 
 

 
 
donatella die pietrantonio arminuta

Arminuta

Von Donatella Di Pietrantonio

Im Dorf nennen sie alle nur Arminuta, die Zurückgekommene. Warum hat man sie zu ihren leiblichen Eltern zurückgeschickt? Wer ist ihre Mutter? Die, die sie geboren hat, oder die, bei der sie aufgewachsen ist?

" Als Dreizehnjährige kannte ich meine andere Mutter nicht mehr." - So beginnt die Geschichte, in der ein junges Mädchen mit einem Koffer und einem Sack voller Schuhe bei einer ihr unbekannten Familie abgeliefert wird. Die echten Eltern wollten sie wieder haben, mehr haben ihr die, die sie bisher Vater und Mutter nannte, nicht erklärt.

Wir werden geboren in ein Umfeld, das Umfeld hat prägende Auswirkungen auf unser ganzes Leben. Arminuta – die Zurückkehrende – muss aus ihrer Heimat in eine andere unbekannte Familie umziehen. Sie sucht darin einen Sinn, indem sie sich eigene trostbringende Gründe zurechtlegt. Mit Ausnahme von Adriana, welche sich sehr auf ihre grosse Schwester freut, ist die Begeisterung für den Familienzuwachs nicht vorhanden. Alle sind sichtlich mit der neuen Situation überfordert. 

Der tragische Tod ihres Bruders, der für Arminuta noch nicht zum Bruder geworden ist, setzt langsam einen Prozess der Akzeptanz in Gang. Arminuta erfährt, weshalb sie zur leiblichen Mutter ziehen musste. Ein zurück in ihre Kindesheimat gibt es nicht mehr.

Dieser Roman erzählt deutlich, was Erwachsene ihren Kindern weitergeben. Er handelt von Verlust und Schmerz und von unzähligen Möglichkeiten für die Liebe. Arminuta wird mit ihrer Geschichte herausgefordert und mit dieser einen eigenen und versöhnlichen Weg zu gehen.

Wer nicht sucht der findet - die Liebe für das Leben im Moment.

Kunstmann Verlag, 2018

Eduard Hirschi 

 
 
 

 
 
francesca melandri alle ausser mir

Alle, ausser mir

Von Francesa Melandri

Dies ist mein persönlicher Lesehit diesen Sommer. Francesca Melandri kann schreiben, und wie!

Am Anfang des Romans befinden wir uns in Rom: Die 46-jährige Lehrerin Illaria findet eines Tages auf der Treppe zu ihrer Wohnung einen jungen Afrikaner und Emigrant, der behauptet, mit ihr verwandt zu sein. Sie geht dieser Behauptung nach und findet heraus, dass ihr Vater Attilio Profetti während Mussolinis Herrschaft in Äthiopien stationiert war. Ein dunkles Familiengeheimnis, das der inzwischen an Demenz erkrankte Vater tunlichst verdrängt hat.

In diesem Roman finden wir alles, was eine gute Geschichte ausmacht. Melandri beschreibt äusserst präzis die politischen und sozialen Ereignisse Italiens sowie die familiären Verhältnisse von Attilio Profetti und dessen Verstrickungen. Raffiniert verknüpft sie die Familiengeschichte der Gegenwart von 2010 mit der italienischen faschistischen Kolonialzeit der dreissiger Jahre. Durch diese spannungsgeladene Erzählstruktur entsteht ein vielfältiges, gut recherchiertes aber auch schonungsloses Portrait der italienischen Gesellschaft.

Was in Äthiopien während der Kolonialzeit geschehen ist, hat mich schockiert und noch lange nach der Lektüre beschäftigt. Der 600-seitige Roman ist nicht linear erzählt, trotzdem konnte ich dank der bildhaften und genauen Sprache „eintauchen“, die tolle Übersetzung von Esther Hansen soll hier erwähnt sein! Wer Italien besser verstehen will, liest diesen Roman. Zu Recht schreibt La Repubblica: “Alle ausser mir ist ein epochaler Familienroman und eine Reise in die italienische Seele". 

Wagenbach Verlag, 2018

Katharina Corchia 

 
 
 

 
 
Angelika Waldis ich komme mit

Ich komme mit

Von Angelika Waldis

"Leben ist gefährlich, keiner kommt lebend raus." (S. 186)

Die pensionierte Vita und der Student Lazy haben eines gemeinsam: sie wollen so, wie ihr Leben gerade ist, nicht weiter leben. Vita, weil sie denkt dass das Leben keine Erfreulichkeiten mehr für sie bringt. Lazy, weil er sterbenskrank ist.

"Leben ist etwas hinter und etwas vor sich haben." (S. 148)

Vita und Lazy sind seit Jahren Nachbarn, doch kennen tun sie sich nicht. Vita antwortet jeweils mit "mir geht es gut" wenn sie gefragt wird. Und für Lazy ist Vita die Alte von oben.

"Leben ist liegen, wenn man auch stehen könnte." (S. 195)

Als Lazy ihr immer dünner im Treppenhaus begegnet, ermuntert Vita ihn, bei ihr zu essen. Mit der Zeit entsteht eine ungewöhnliche, ehrliche und respektvolle Freundschaft zwischen den beiden. Sie teilen Freud und Leid und philosophieren gemeinsam über das Leben.

"Leben ist beim Treppensteigen zwei Stufen aufs Mal nehmen." (S. 102)

Trotz tragischer Schicksale ist "Ich komme mit" ein heiteres, auch verspieltes Buch. Die in Luzern aufgewachsene Autorin hat Freude an der Sprache, an Wortspielen und wahrscheinlich auch am Leben.

"Leben ist der kühle Zug in der Nase." (S. 120)

Ein Buch das dazu anregt, sich wieder einmal auf die kleinen, alltäglichen Begebenheiten zu konzentrieren, sich selber gegenüber ehrlich zu sein und mutig Neues auszuprobieren.

"Leben ist Sich-umdrehen-Wollen, nachdem man an etwas Schönem vorbeigegangen ist."

Ich habe das Buch in einem Zug gelesen... einfach wunderbar... auch zum Verschenken! 

Wunderraum Verlag, 2018

Monika Künzler

 
 
 

 
 
hier sind wir Oliver jeffers

Hier sind wir - Anleitungen zum Leben auf der Erde

Von Oliver Jeffers

Oliver Jeffers ist Illustrator und Autor. Sein neues Bilderbuch ist gleichzeitig sein persönlichstes Buch. Er hat es zur Geburt seines Sohnes Harland geschrieben. Die Widmung im Buch lautet: "Ich habe dieses Buch in den ersten zwei Monaten deines Lebens geschrieben, als ich versuchte, mir auf das Ganze einen Reim zu machen. Folgendes will ich dir mit auf den Weg geben."

Jeffers gibt seinem Sohn eine menschliche, humorvolle Anleitung zum Leben auf unserem Planeten mit auf dem Weg. Auf wenigen Seiten gelingt es ihm in Text und Bild das Wesentliche zu veraunschaulichen.

Ein ideales Geschenk zur Geburt... und für alle die sich wieder auf Wesentliches zurückbesinnen möchten. Ab 4 Jahren. 

NordSüd Verlag, 2018

Eduard Hirschi

 
 
 

 
 
bleib bei mir ayobami adebayo

Bleib bei mir

Von Ayobami Adebayo

Wer Lust hat auf eine literarische Reise nach Nigeria, kommt hier voll zum Zuge.

"Mein Salon barg die Wärme der unterschiedlichsten Frauen. Frauen, die auf den gepolsterten Stühlen sassen und sich der Gunst und dem Dienst der Holzkämme hingaben, der Trockenhauben, meiner Hände und der Hände der anderen Frauen, die ich ausbildete. Frauen, die still ein Buch lasen; Frauen, die laute Witze machten, über die ich noch Tage später lachte....." (Seite 40)

Mit emotionaler Kraft schildert die Autorin das Schicksal vom jungen Paar Yejide und Akin. Sie wünschen sich ein Kind. Trotz vielen Untersuchungen, Pilgerreisen und Stossgebeten will es nicht klappen. Die Schwiegermutter und ihre Verwandtschaft verlieren die Geduld und hecken einen Plan aus, da in der nigerianischen Gesellschaft eine kinderlose Frau einer Tragödie gleicht. 

Die Erzählung bewegt sich zwischen 1985 und 2008. Einmal spricht Yejide, dann wieder Akin. Was diese Geschichte ausmacht, ist die kunstvolle Beschreibung vom Leben zwischen Moderne und Tradition, von afrikanischer Spiritualität, die neben christlichen Werten und moderner Medizin praktiziert wird. Ein gekonnter Debütroman, der mich begeistert hat.

Piper Verlag, 2018

Katharina Corchia