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Neuerscheinungen

Nadine Schneider Wohin ich immer gehe

Wohin ich immer gehe

Von Schneider Nadine

Eigentlich wollten die beiden Freunde Johannes und David gemeinsam aus Ceauçescus Rumänien fliehen. Einen ganzen Sommer lang bereiten sie sich intensiv darauf vor. Doch dann verschwindet David plötzlich und Johannes durchschwimmt die Donau eines Nachts alleine und versucht in Deutschland sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und ein neues zu beginnen. Bis ihn Jahre später die Nachricht vom Tod seines Vaters erreicht... 

"Mit großer Ruhe, eindringlich und berührend, dabei klar und souverän erzählt die Autorin von den kleinen Erschütterungen der großen Geschichte und den feinen Rissen, die sie in den Biografien von Menschen hinterlässt. Menschen, die auf unsicherem Grund stehen, weil ihre Geschichte an Orte zurückreicht, wo die Vergangenheit noch nicht vorbei ist." (Buchumschlag)

Ein eindrücklicher Roman übers Fliehen, Hinterlassen und Mitnehmen. 

Jung und Jung Verlag 2021, Fr. 33.90

Monika Künzler 

 
 
 

 
 
Eliette Abécassis Mit uns wäre es anders gewesen

Mit uns wäre es anders gewesen

Von Éliette Abécassis

Amélie und Vincent treffen sich erstmals als Studierende an der Sorbonne in Paris. Und dann im Verlaufe von 30 Jahren immer wieder... manchmal per Zufall, manchmal durch Verabredung.

Diese Treffen und was zwischendurch passiert, werden uns abwechselnd von Vincent und Amélie beschrieben. So, dass nur wir Lesende wirklich Einsicht in ihr Gefühlsleben erhalten.

Ein Roman über die Komplexität von Beziehungen, über Glücksgefühle, Unsicherheit und Verletzlichkeit... und über das Leben, wie es vielleicht hätte sein können, wenn...

Eine wunderbare und gleichzeitig ernüchternde Liebesgeschichte.

Arche Literatur Verlag 2021, Fr. 27.90

Monika Künzler 

 
 
 

 
 
Noa und die Sprache der Geister

Noa und die Sprache der Geister

Von Heather Fawcett

Ein Kinderbuch ab 10 Jahren.

"Noa ist die vertriebene Prinzessin des Königreichs Floreana und lebt mit ihren Geschwistern auf einer verzauberten Insel. Dort hat sie alle Hände voll zu tun: zum Beispiel sicherstellen, dass ihrem älteren Bruder Julian seine dunkle Magie nicht zu Kopf steigt, während er versucht, den gestohlenen Familienthron zurückzuerobern. Doch die damaligen Thronräuber sind auf der Hut und suchen bereits die geheime Waffe, mit der sie Julian und seine einzigartige magische Begabung ein für alle Mal vernichten können. Gemeinsam stürzen sich die Geschwister ins Abenteuer, um ihnen zuvorzukommen. Was sie entdecken, ist eine magische Sprache, die niemand, nicht einmal Julian, versteht. Niemand, ausser Noa…" (Klappentext)

<Noa und die Sprache der Geister> ist ein Buch zu den Themen: Familie, Zusammenhalt in schwierigen Zeiten und Freundschaft, das mich ursprünglich wegen des schön gestalteten Covers angesprochen hat, und ich muss sagen, es hat sich gelohnt, meine Nase in diese abenteuerliche Geschichte zu stecken. Das Buch hat zwar 351 Seiten, aber es wurde mir nicht ein einziges Mal langweilig, schade nur, dass die Geschichte so abruppt endet. Beim Lesen merkt man, wie viel Spass es der Autorin gemacht haben muss, es zu schreiben. 

Alles in allem ein sehr gelungenes Buch, ideal für junge Fantasy-Liebhaber. :) 

Dressler Verlag 2021, Fr. 28.90

Annina Kasten 

(Lernende 1. Lehrjahr)

 
 
 

 
 
Antonia Bontscheva Die Schönheit von Baltschik ist keine heitere

Die Schönheit von Baltschik ist keine heitere

Von Antonia Bontscheva

Die Autorin erzählt in ihrem Debütroman, einem Familienroman, "von weiblichen Prägungen und selbstbewussten Frauen, von individuellen Schicksalen im kommunistischen Bulgarien und der Wendezeit, von einem Ankommen in Deutschland und von Selbstbehauptung". (Buchumschlag)

Als Lesende pendeln wir in kurzen Kapiteln zwischen Bulgarien und Deutschland in den 80er und 90er-Jahren. Dabei entsteht ein kunstvoll und spannend zusammengesetzter Teppich aus den Lebensgeschichten der einzelnen Familienmitglieder: im Zentrum eine lebenshungrige Enkelin und Icherzählerin, um sie herum eine pragmatische Oma, eine ängstliche Mutter und ein eigensinniger Vater. 

In lebhafter und bildlicher Sprache und mit viel Wärme werden die einzelnen Figuren beschrieben, so dass wir sie alle irgendwie ins Herz schliessen. Die Liebe der Autorin zu ihrer Heimat und dessen Leute ist gut spürbar.

Eine leidenschaftlich ehrliche und unterhaltsame Tragik-Komödie!

Frankfurter Verlagsanstalt 2021, Fr. 33.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Ayelet Gundar-Goshen Wo der Wolf lauert

Wo der Wolf lauert

Von Ayelet Mundar-Goshen

"Ein spannender, unerwarteter Roman über die Ängste einer Mutter und die zerstörerischen Mechanismen von Rassismus und Schuld." (Buchumschlag)

Bereits der 2015 erschiene Roman <Löwen wecken> der israelischen Autorin hat mir sehr gut gefallen. Auch in diesem Roman gelingt es ihr, eine vielschichtige Geschichte zu erzählen, welche nicht nur bei der Hauptperson Lilach, sondern auch bei uns Lesenden ein allgemeines Gefühl von Unsicherheit hinterlässt.

Eine jüdische Familie entscheidet sich für ein Leben "in Freiheit" und wandert von Israel nach Amerika ins Silicon-Valley aus. Michal entwickelt Software für Waffen. Lilach arbeitet in einem Pflegeheim. Adam, ihr gemeinsamer jugendlicher Sohn, hat Mühe sich einzuleben, er bleibt ein Aussenseiter. Erst als seine Eltern ihn nach einem Anschlag auf eine Synagoge in einen Selbstverteidigungskurs für israelische Jugendliche schicken, blüht er langsam auf. Doch dann stirbt bei einer Party einer seiner Mitschüler. Je mehr Lilach über die Umstände dieses Todes erfährt, desto grösser wird ihr Unbehagen. Dem Trainer des Selbstverteidigungskurses begegnet sie zunehmend mit Skepsis. Zudem schleicht sich bei ihr der Gedanke ein, ob ihr Sohn Adam ev. sogar mit dem Tod des Mitschülers in Verbindung steht.

Eine empfehlenswerte Lektüre zu den Themen Wirtschaftsspionage, Heimat, Mutter-Kind-Beziehung und Aussenseiterum.

Äusserst spannende und gleichzeitig beklemmend.

Kein & Aber Verlag 2021, Fr. 33.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Max Küng Fremde Freunde

In diesen Sommern

Von Janina Hecht

Welch eindrückliches Debüt!

Teresa schaut nach dem Tod ihres Vaters auf ihre Kindheit und Jugend zurück. Dies anhand von Erlebnissen in den Familiensommerferien. Behutsam tastet sie sich an ihre Erinnerungen heran. An unbeschwerte Momente, welche jedoch immer wieder getrübt wurden dich Momente der Ohnmacht und Erstarrung. Ausgelöst durch die beiden Seiten des Vaters, seinem Pendeln zwischen Fürsorge und Gewalt, und durch die Hilflosigkeit bzw. Ambivalenz der Mutter.

Unaufdringlich und wertfrei beschreibt die Autorin die einzelnen Erinnerungen in kurzen Kapiteln. Und gibt uns dadurch Einblick ein ein Familienleben, wie wenn wir das Familien-Fotoalbum durchblättern würden. Fremd und gleichzeitig nah. Und klar. Und fesselnd. Und schön. Und schrecklich. Und beengend. Und hoffnungsvoll.

Ein kleiner Geheimtipp...

C.H. Beck Verlag 2021, Fr. 31.70

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Max Küng Fremde Freunde

Fremde Freunde

Von Max Küng

"Die Einladung klingt perfekt: Eine Woche Ferien in einem idyllischen Haus in Frankreich. Einfach mal wieder die Seele baumeln lassen. Süsses Dolcefarniente geniessen. Und natürlich: Essen wie Gott in Frankreich! Doch leider kommt es dann so, wie es oft kommt: Ganz, ganz anders." (Buchrücken)

Die 6 Kapitel entsprechen den 6 gemeinsamen Ferientagen. Drei unterschiedliche Paare, Eltern von eng befreundeten Teenager-Jungs welche in Zürich die gleiche Schule besuchen, verbringen gemeinsame Herbstferien... und lernen sich dort kennen!

Mit Humor und gesellschaftskritischem Blick beschreibt der Autor die einzelnen Personen und deren Paarbeziehungen. So, dass wir Lesende schwanken zwischen Sympathie und Unverständnis. Doch mit der Zeit, mögen wir, wie auch die Personen untereinander, doch alle irgendwie.

Viel Tragik liegt in der Komik. Und von Anfang auch etwas Schauriges, welches sich auf den letzten Seiten dann auflöst (leider etwas zu sehr konstruiert).

Eine gut geschriebene Ferienlektüre mit Tiefgang!

Kein & Aber Verlag 2021, Fr. 34.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Markus Thiele Die Wahrheit der Dinge

Die Wahrheit der Dinge

Von Markus Thiele

Ein guter Unterhaltungsroman zu den Themen Schuld und Gerechtigkeit. 

Die Geschichte spielt sich auf zwei Zeitachsen ab:

2015: Der Strafrichter Frank Petersen erfährt, dass Corinna Maier in Kürze aus der Haft entlassen wird. Sie hatte vor Jahren im Gerichtssaal, bevor Petersen sein Urteil überhaupt verkünden konnte, den Angeklagten, den Mörder ihres Sohnes, erschossen.

1989: Die junge Medizinstudentin Corinna Maier verliebt sich in den schwarzen Gastdoktoranden aus Pretoria.

Die Kapitel wechseln sich ab zwischen Petersen, dessen Integrität als Richter, als Ehemann und als Vater in Frage gestellt wird, und Maier, deren Lebensgeschichte wir folgen bis sie ebenfalls im 2015 ankommt und die beiden sich kurz treffen.

Eine Geschichte rund um Vorurteile, Fremdenhass und die Verantwortung fürs eigene Handeln.

Benevento Verlag 2021, Fr. 34.30

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Kerstin Campbell Ruthchen schläft

Ruthchen schläft

Von Kerstin Campbell

Eine Freundschaft, die kein Alter kennt, eine unverhoffte Liebe und Freunde, die die bessere Familie sind.

Mit  Witz, Charme und Tiefgang porträtiert die Autorin völlig unterschiedliche Charaktere, welche sich in diesem Roman für kurz oder lange begegnen. 

Die beiden Hauptfiguren sind Georg und Frau Lemke. Frau Lemke wohnt schon ihr ganzes Leben in dem Haus, welches Georg geerbt hat. Nun soll sie zu ihrem Sohn nach New York ziehen, sobald ihre Katze Ruthchen stirbt. Doch Frau Lemke möchte in Berlin bleiben und Georg hat eine Idee. Was wenn Ruthchen einfach auf dem Sofa schläft, vielleicht für immer?

Oktopus Verlag 2021, Fr. 29.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Bernardine Evaristo Mädchen, Frau etc.

Mächen, Frau etc.

Von Bernardine Evaristo

"Amma                                                                                                           geht an der Promenade des Wasserlaufs entlang, der ihre Stadt zerteilt, frühmorgendliche Frachtkähne ziehen langsam vorbei                                       links von ihr liegt die nautisch gestaltete Fussgängerbrücke mit dem schiffsdeckhaften Weg und den Segelmast-Pylonen                                    rechts von ihr die Biegung im Fluss, wo er vorbei an der Waterloo Bridge nach Osten fliesst, hin zur St.Paul’s Cathedral"

Das ist der Beginn des Buches. Dieser eigene Stil, die poetische Art zu schreiben von Bernardine Evaristo irritiert mich am Anfang, schnell werde ich jedoch in seinen Bann gezogen: Die Autorin erzählt 12 Geschichten – 12 Portraits von Frauen, allesamt sind sie schwarz und leben in einer weissen Mehrheitsgesellschaft. Wobei die Hauptfiguren auch als Nebenfiguren in den anderen Geschichten auftreten können. Auf diese Weise wird vor den Augen der Lesenden ein Netzwerk geknüpft, die Lebensgeschichten werden von verschiedenen Perspektiven beleuchtet, die Hauptthemen aller Biografien sind das Anderssein, Feminismus, Rassismus. 

Die eingangs erwähnte punktlose Schreibweise scheint auch das Lesetempo zu erhöhen, auf keinen Fall mindert sie das Lesevergnügen. Mit viel Humor, farbenfroh und lebensbejahend… ich bin begeistert von diesem Roman und ich empfehle ihn von Herzen weiter. 

Tropen Verlag 2021, Fr. 38.90

Simone Gabathuler

 
 
 

 
 
Martina Clavadetscher Die Erfindung des Ungehorsams

Die Erfindung des Ungehorsams

Von Martina Clavadetscher

Liebevoll beschreibt die Schweizer Autorin die eigensinnige Hauptperson Ling. Zurückgezogen lebt diese in einer Stadt im Südosten Chinas. Tagsüber arbeitet sie konzentriert und engagiert in einer Sexpuppenfabrik, wo sie künstliche Frauenkörper auf Herstellungsfehler kontrolliert. Die Freizeit verbringt sie einsam in ihrer kleinen Wohnung, wo sie allabendlich den gleichen Film, eine klassische Liebesgeschichte, anschaut. Bis sie sich eines Tages entschliesst, selber eine Puppe zu bestellen um fortan nicht mehr alleine vor dem Fernseher zu sitzen. Dies, wie auch die zaghaften Annäherungsversuche des Fabrikportiers, verändern schlussendlich nicht nur Lings eigenes Leben...

Eine schräge Geschichte - behutsam und gleichzeitig kraftvoll.

Unionsverlag 2021, Fr. 31.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Juliane Pickel Krummer Hund

Krummer Hund

Von Juliane Pickel

Ein Jugendroman, ausgezeichnet mit dem <Peter Härtling Preis>. 

Der 15-jährige Daniel ist vor allem eins: wütend. Immer wieder hat er diese "Anfälle", bei denen er die Kontrolle verliert und zuschlägt. An seinen Vater kann er sich nur noch vage erinnern. Und seine Mutter verliebt sich immer wieder von neuem. Ihr neuster Freund ist ausgerechnet der Tierarzt, welcher Daniels Hund Altershalber einschläfern musste. Trotzdem beginnt er diesen Doc langsam zu mögen. Bis nach einer Party bei einem Schulkollegen ein tödlicher Autounfall geschieht und Daniel einen schrecklichen Verdacht hat...

Ein Buch das Licht hinter die Fassaden der Personen wirft. Vieles ist nicht wie es scheint. Sich verkopfen bringt auf Dauer wenig.

Eine Geschichte über Geduld, Mut und Ehrlichkeit. Und über erste Liebesgefühle.

Ab 14 Jahren.

Beltz & Gelberg Verlag 2021, Fr. 24.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Benedict Wells Hard Land

Hard Land

Von Benedict Wells

Dieses Buch zu lesen fühlte sich für mich an, als würde ich dabei zuschauen, wie jemand eine Collage aus vielen dünnen Seidenpapier-Stücken klebt. 

Jede Schicht Papier legt sich wie eine neue Facette auf Sams Leben, bzw. ergänzt seine momentane Situation: er ist fünfzehnjährig, seine Mutter ist krank, Freunde hat er – noch - keine, er wird Erwachsen… Rasant und trotzdem feinfühlig begleiten wir Sam einen ganzen Sommer lang und erleben wie er Freunde findet, wie er manchmal furchtbar wütend ist, traurig, glücklich, unsicher… Die Hauptfigur des Romans und auch alle Nebendarsteller sind mir ans Herz gewachsen, so menschlich sind sie beschrieben und so nah lässt uns Benedict Wells in diesem Roman an die Personen heran. 

Am Schluss ist eine überraschend vielschichtige, farbige, spannende, beruhigende Collage entstanden, die auch an die eigene Zeit der Pubertät erinnert…. Und mich schmunzeln liess. 

Viel zu schnell habe ich mich durch diese packende Geschichte gelesen. Vielleicht werde ich sie mir noch einmal zu Gemüte führen… diesmal etwas langsamer.

Diogenes Verlag 2021, Fr. 33.90

Simone Gabathuler

 
 
 

 
 
Laura Imai Messina Die Telefonzelle am Ende der Welt

Die Telefonzelle am Ende der Welt

Von Laura Imai Messina

"Eines Tages errichtet ein Mann am Fusse des Kujirayama, des Walberges, ganz in der Nähe der Stadt Otsuchi, im Garten seines Hauses eine Telefonzelle. Otsuchi gehört zu den Städten, die von dem verheerenden Tsunami des 11. März 2011 am schwersten betroffen war. Im Inneren der Zelle steht ein altes, nicht angeschlossenes Telefon, aus dem die Stimmen des Windes zu hören sind. Hunderttausende von Menschen pilgern Jahr für Jahr zu diesem Telefon." (S. 9) Menschen, die eine ihr nahestehende Person verloren haben.

Auf dem Hintergrund dieser Begebenheit spielt sich der Roman der italienischen Autorin, welche seit vielen Jahren in Tokio lebt.

Yui hat beim Tsunami Tochter und Mutter verloren. Takeshi seine Frau an einer Krankheit. Seine Tochter spricht seither nicht mehr. Die beiden lernen sich in Bell Gardia, dem Garten mit der Telefonzelle, kennen. Langsam gelingt es den beiden den Schmerz über den Verlust zu überwinden und sich der Freundschaft und Liebe zu öffnen.

"Ein Haiku des Herzens. Laura Imai Messina tauscht westliche Schnelligkeit und rosagefärbte Liebesszenen gegen bedeutungsvollen Minimalismus: ein Blick, ein Atemzug, eine Handbewegung." (Buchumschlag)

btb Verlag 2021, Fr. 31.00

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Megan Hunter Die Harpyie

Die Harpyie

Von Megan Hunter

Keine Lektüre für Zartbesaitete!

"Als Lucy erfährt, dass ihr Ehemann Jake sie betrügt, soll eine verhängnisvolle Abmachung die Beziehung retten: drei Mal darf Lucy Jake bestrafen. Wann und auf welche Weise, entscheidet sie. Ein gefährliches Spiel zwischen Rache und Vergebung entbrennt - und schliesslich erwacht eine Seite in Lucy, die schon immer tief in ihr geschlummert hat." (Buchrücken)

Ein Blick in bürgerliche Vorstadtgärten, hinter verschlossene Türen und ins Innere einer Mutter, die sich ihrer Rolle immer weniger gewachsen fühlt.

Psychologisch nachvollziehbar, beunruhigend, faszinierend.

C.H. Beck Verlag, 2021 Fr. 33.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Cho Nam-Joo Kim Jiyoung, geboren 1982

Kim Jiyoung, geboren 1982

Von Cho Nam-Joo

Aus den Frühjahrs-Novitäten war dies das erste Buch, welches mich total begeistert hat.

Es geht darin um das Leben der jungen Jiyoung. Wir erhalten einen eindrücklichen Einblick über den Stellenwert einer jungen Frau in der südkoreanischen Gesellschaft. Wie gelingt es eine gute Arbeitsstelle zu erhalten und diese zu behalten? Wie steht es um Liebesbeziehungen und Kinder?

Die Unterdrückung und Benachteiligung der Frauen im Roman ist kaum auszuhalten. Die Lektüre regt dazu an, den Vergleich mit unserer Kultur zu machen. Wie genau steht es mit der sogenannten Chancengleichheit bei uns wirklich?

Die Geschichte wird uns über den Psychiater von Kim Jiyoung berichtet.

Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2021 Fr. 27.90

Eduard Hirschi

 
 
 

 
 
Nahst Miyashita Der Klang der Wälder

Der Klang der Wälde

Von Natsu Miyashita

"Ein Roman voller Poesie über die alles verändernde Kraft der Musik und einen jungen Mann, der durch sie die Welt zum Klingen bringen will - wunderschön zart erzählt." (Buchrücken)

Die Eigenheit eines Klaviers herausfinden, den persönlichen Geschmack der Spielenden erkunden um daraus dann den geeigneten Klang zu erschaffen und das Spiel zum Leuchten zu bringen. Dies ist das Ziel des jungen Tomura, welcher eine Ausbildung als Klavierstimmer beginnt. Immer wider zweifelt er an seinen Fähigkeiten. Doch er bleibt dran!

Ein wunderschöner, langsamer und philosophischer Roman, welcher 2015 den japanischen Buchhändlerpreis erhielt und 2018 verfilmt wurde.

Insel Verlag, 2021 Fr. 30.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Hengameh Yaghoobifarah Ministerium der Träume

Ministerium der Träume

Von Hengameh Yaghoobifarah

Nasrin und Nushin fliehen mit ihrer Mutter von Teheran nach Deutschland. Der Vater sollte später nachkommen. 

Das Aufwachsen der beiden Schwestern in Lübeck in den 80er Jahren bildet den einen Erzählstrang. Der zweite Erzählstrang spielt sich 40 Jahre später ab, als Nasrin sich nach dem tödlichen Autounfall ihrer Schwester um deren Tochter im Teenageralter kümmern soll.

Vieles haben die beiden Schwestern gemeinsam gemeistert. Doch nun stellt sich heraus, dass es doch einige Geheimnisse gab... Nasrin versucht die Geschichte ihrer Schwester zu rekonstruieren und wird dadurch gezwungen, sich mit ihren eigenen "Kratern" in ihrem Leben auseinanderzusetzen. 

Ein moderner Roman mit Sogwirkung zu den Themen Migration, Gender, Rassismus, Jugend und Familie. Geschrieben in einer lebendigen und ausdrucksstarken Sprache.

"H. Y. packt den Kopf so voll mit Bildern und das Herz mit Gefühlen, dass man es kaum aushält." (Buchrücken)

Blumenberg Verlag, 2021 Fr. 33.90 

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Moritz Heger Aus der Mitte des Sees

Aus der Mitte des Sees

Von Moritz Heger

"Ein Kloster - Sehnsuchtsort für eine Auszeit. Und ein Ort, um die wesentlichen Dinge des Lebens zur Sprache zu bringen." (Buchumschlag)

Zwei jüngere Mönche in einem Benediktinerkloster an idyllischer Lage mit See. Andreas und Lukas. Abends treffen sie sich jeweils beim Schwimmen oder auf dem Steg. Andreas verliebt sich in eine Besucherin, verlässt das Kloster und gründet eine Familie. Lukas, der Zurückgebliebene, blickt auf sein Leben zurück... lässt sich auf eine neue Erfahrung ein... verbindet schwimmend Gedanken, Gefühle und Empfindungen... und trifft seinerseits immer wieder Entscheidungen.

"Vielleicht wäre es richtig so. Aber so ist es auch richtig. Es gibt mehrer Richtigs  für ein Leben, und letztlich ist es nicht entscheidend, wo man landet, sondern was man daraus macht." (S. 60)

Nebst einer wunderbaren Geschichte, erhalten wir Lesende auch einen Einblick ins Leben in einer Benediktinerabtei.

Sinnlich, humorvoll, feinfühlig, philosophisch, tiefgründig, langsam... wie Wellenbewegungen die kommen und gehen. Ein Buch das anregt, über sich selbst nachzudenken, über die eigenen "Weichen" im Leben, über Entscheidungen und vielleicht auch... über Wendungen die gerade anstehen.

Eine ermutigende Lektüre, welche aufzeigt, dass auch auf den ersten Blick Widersprüchliches nebeneinander bestehen und das Leben dadurch sogar bereichern kann.

Das Buch hat gute Chancen, mein Lieblingsbuch im 2021 zu werden!

Diogenes Verlag, 2021 Fr. 33.90 

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Rachel Joyce Miss Bensons Reise

Miss Bensons Reise

Von Rachel Joyce

"Zwei Frauen, zwei Lebensträume und ein mitreissendes Abenteuer." (Klappentext)

Margery Benson wächst im London während des Krieges bei zwei Tanten auf. Kurz vor seinem Tod, hat ihr Vater ihr in einem Naturkundenbuch den goldenen Käfer aus Neukaledonien gezeigt. Dieser, bis anhin lediglich in wenigen Schriften aufgeführte und nirgendwo konservierte Käfer, lässt Margery anschliessend nicht mehr los. Doch erst mit 50 Jahren, nimmt sie allen Mut zusammen, aus ihrem tristen Lehrerinnen-Dasein aus dem London der 50er Jahre auszubrechen.

Eine einzige Begleitung findet sie für ihre Expedition, die plauderhafte, junge Enid Pretty. Auch sie hat ein Geheimnis und hegt einen Traum. Von den beiden bis zu den letzten Buchseiten unbemerkt, werden die beiden von einer weiteren Person begleitet. Von Mr. Mundic, welchen Margery beim Vorsprechen für die Expedition ziemlich schroff abgewiesen hatte.

Zwei völlig unterschiedliche Frauen. Mit Widersprüchen und Stärken. Mit Ängsten und Träumen. Zu Beginn durch äussere Umstände vereint. Am Ende durch Freundschaft verbunden. 

Eine Abenteuergeschichte, ein Märchen, eine Tragikomödie. Schräg, schrill, bunt verwegen, abenteuerlich, übertrieben, humorvoll, tragisch, kurios, exotisch. Geschrieben mit trockenem englischen Humor.

Herzerwärmende, gute Unterhaltung!

Krüger Verlag, 2020 Fr. 31.00

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Iris Wolff Die Unschärfe der Welt

Die Unschärfe der Welt

Von Iris Wolff

7 Personen, 4 Generationen. Vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks verbinden sich ihre Lebenswege und -geschichten im Laufe des Romans. Im Zentrum steht dabei eine Familie aus dem Banat in Rumänien.

Zapada, Echo, Leviathan, Windwanderer, Makromolekular, Jupiter und Prestigio. So lauten die Titel der Kapitel, jedes geschrieben aus der Perspektive von einer der 7 Personen.

In achtsamer und poetischer Sprache führt uns die in Siebenbürgen geborene Schriftstellerin in die Gedanken, Gefühle, Ängste und Sehnsüchte der Menschen und verbindet auf stimmige Weise Verluste und Neuanfänge.

Ein Buch über Freundschaft, Ideale, Mut und Geduld.

"So schön hat noch niemand Geschichte zum Schweben gebracht." Stefan Kister (Buchumschlag)

Klett-Cotta Verlag, 2020 Fr. 31.00

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Bérengère Cournut Das Lied der Arktis

Das Lied der Arktis

Von Bérengère Cournut

Die französische Autorin erzählt eindrücklich vom Leben in der Arktis. Sieben Jahre lang hat sie dazu der Lebensweise und den Geschichten der Inuit nachgespürt.

"Der Mond leuchtet hell über der Arktis, als das Eis bricht und Uqsuralik von ihrer Familie trennt. Auf einen Schlag ist sie vollkommen allein in der ewigen Polarnacht. Ihr einziger Schutz ist ein Bärenfell, und sie weiss: Sie darf niemals stehen bleiben." (Buchumschlag)

Eine arachaisch kraftvolle und gleichzeitig poetische Geschichte über eine junge Inuitfrau, welche wir lesend bis ins Alter begleiten.

Ein Buch über Zusammenhalt, Intuition, Natur, Mythologie und Glaube. Die Lektüre lädt dazu ein, in ein anderes Leben einzutauchen und dadurch im eigenen  kurz inne zu halten und den Blick auf Wesentliches zu fokussieren.

Ullstein Verlag, 2020 Fr. 32.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Anna Burns Milchmann

Milchmann

Von Anna Burns

Ein Roman über den unerschrockenen Kampf einer jungen Frau um ein selbstbestimmtes Leben.

"Wie aus dem Nichts tritt eines Tages Milchmann, ein älterer Mann, ins Leben der jungen Frau, die nur Mittelschwester genannt wird. Er stellt ihr nach, scheint alles über sie zu wissen. Sein Interesse ist das Letzte, was die junge Frau gebrauchen kann. In dieser Stadt werden Urteile schnell gefällt. Besonders gegenüber Frauen. Sie hat schon genug damit zu tun, die Existenz von Vielleicht-Freund zu verheimlichen. Doch Milchmann ist hartnäckig." (Klappentext)

Angesiedelt ist die Geschichte dieser intelligenten 18-jährigen Frau im Belfast der 70er Jahre. Einer in zwei ideologisch-religiöse Lager geteilte Stadt, in welcher explosive Spannungen zum Alltag gehören. Die Protagonistin gerät zwischen die Fronten, obwohl sie alles Mögliche versucht, genau dies zu verhindern. Denn sie will sich von den gesellschaftlichen Gegebenheiten nicht einengen lassen, sondern ihren eigenen Weg gehen.

Die Kraft des Buches liegt in der zwischen Witz und Verzweiflung pendelnden Sprache.

Intensiv, packend, schillernd, beklemmend, tiefgründig und ausdrucksstark. Unbedingt lesen!

Tropen Verlag, 2020 Fr. 37.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Dina Nayeli Der undankbare Flüchtling

Der undankbare Flüchtling

Von Dina Nayeli

"Neugier ist ein wirksames Korrektiv. (…) Um neugierig zu sein, braucht man keine Sachkenntnis, nur Interesse." 

Mit Sätzen wie diesem schafft es Dina Nayeri dass ich als Leserin innehalte, sie bringt mich zum Nachdenken, ich blättere zurück und lese Passagen noch einmal.

In ihrem Buch beschäftigt sie sich mit der Flüchtlingsfrage, beschreibt Geschichten von Geflüchteten und sie erzählt ihre eigene Geschichte als Migrantin aus dem Iran nach Amerika. Sie plädiert für mehr Offenheit, Vertrauen, Verständnis und Geduld gegenüber Flüchtlingen. 

Ihre Art, genau hinzuschauen, Fragen zu stellen und das eigene wie das Handeln anderer gegenüber Flüchtlingen ständig zu hinterfragen, haben mich genauso beeindruckt, wie die ehrliche Art wie sie ihre eigene Biografie beschreibt. 

Dina Nayeri gelang es, ein absolut lesenswertes und spannendes Buch über ein aktuelles und unbequemes Thema zu schreiben, in dem es um Assimilation geht von Flüchtlingen, über Würde, Dankbarkeit und Entwurzelung.

Kein & Aber Verlag, 2020 Fr. 33.90

Simone Gabathuler

 
 
 

 
 
Willem Elsschot Maria in der Hafenkneipe

Maria in der Hafenkneipe

Von Willem Elsschot

Ein wunderbares kleines Büchlein für die Vorweihnachtszeit.

Ein regennasser, kalter Wintertag. Da kommen dem Familienvater Laamans Abends auf dem Nachhauseweg drei afghanische Matrosen in die Quere und fragen ihn nach dem Weg zur Adresse von Maria, welche sie auf einer Zigarettenschachtel notiert haben. Wer ist "Maria"? Laamans vermutet eine Dame von zweifelhaftem Ruf, lässt alle seine Vorsätze fahren und begibt sich mit den Dreien auf die Suche. Am Ende haben sie zu ihrer eigenen Überraschung allerlei Glaubensrätsel und Kulturdifferenzen gelöst, für die andere mehr als ein Leben brauchen. 

"Ein Hafen, vier verlorene Seelen und eine unerwartete Begegnung in Brüderlichkeit." (Buchrücken)

Unionsverlag, 2020 Fr. 25.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Sylvain Prudhomme Allerorten

Allerorten

Von Sylvain Prudhomme

Es gibt zwei Arten von Menschen auf der Welt: die, die bleiben, und die, die gehen.

Sacha sehnt sich nach Einsamkeit. Müde vom lauten Paris, zieht er in eine Kleinstadt, irgendwo in der Provence. Fernab von allem, zwischen Platanen und menschenleeren Plätzen, möchte er sich ganz dem Schreiben widmen. Doch dann trifft er auf einen alten Jugendfreund, den "Anhalter" - und der ist immer noch derselbe: Wie schon zu Jugendzeiten bricht er auf, ohne Vorwarnung, hängt sich ein Schild um den Hals - Nach Auxerre oder Nach Landes - und reist kreuz und quer durch Frankreich. Seine Frau Marie und sein Sohn Agustin bleiben alleine zurück. Aus Wochen des Wartens werden Monate. Sacha kümmert sich rührend um Agustin und knüpft ein immer engeres Band zu Marie.  (Klappentext)

Zwei Männer und eine Frau - drei völlig unterschiedliche Lebensentwürfe - und ein wunderbares Ende!

Eine zarte Geschichte über Sehnsüchte und die grosse Frage, was ein erfülltes Leben ausmacht.

Unionsverlag, 2020 Fr. 33.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Frederic Zwicker Radost

Radost

Von Frédéric Zwicker

Der neue Roman des Rapperswiler Autors ist nun endlich da.

Das Buch erzählt von Fabian, der als Lokaljournalist seinen Job verliert. Was vielleicht das Beste ist, was ihm in dem Moment passieren konnte. Er lernt Max kennen, freundet sich mit ihm an und schreibt auf dessen Anfrage seine Biografie. Genau wie Jahre zuvor Max es getan hat, reist Fabian von der Schweiz nach Zagreb und weiter nach Sansibar. Er lernt Leute kennen, schliesst Freundschaften und versucht Max’ Geschichte von damals zu rekonstruieren. 

Zusammen mit Fabian erfahren wir wie ein psychisch kranker Mann sein eigenes und das Leben anderer durcheinanderwirbelt. In kurzen Kapiteln und zum Teil in schnellem Tempo werden wir mitgenommen auf einen Ritt durch eine ‘verrückte’ Lebensgeschichte.

Eine lohnenswerte Lektüre... zum Schmunzeln, Staunen und Nachdenken. - Mit Lokalkolorit für Ortskundige.

Zytglogge Verlag, 2020 Fr. 32.00

Simone Gabathuler, Eduard Hirschi, Monika Künzler

 
 
 

 
 
Patrik Svensson Das Evangelium der Aale

Das Evangelium der Aale

Von Patrik Svensson

"Wie viel kann man eigentlich über einen Aal wissen? Oder über einen Menschen? Es hat sich gezeigt, dass diese Fragen manchmal zusammengehören." (Buchumschlag)

Schwer einzuordnen ist dieses vielschichtige Buch. Sachbuch? Roman?...

Der schwedische Autor verknüpft darin einen Teil seiner Biografie mit dem rätselhaften Leben eines schwer fassbaren Tieres, dem Aal. Parallel lesen wir so die Entwicklung einer Vater-Sohn Beziehung und die Geschichte der Erforschung des Aals.

Vater und Sohn, welche sich vorwiegend Nachts beim Angeln näher kommen. Und   der Aal, dessen Wesen seit Aristoteles unzählige Wissenschaftler beschäftigt, ganze Küstenbevölkerungen ernährt hat und der heute vom Aussterben bedroht ist. 

Wer sich an den sich windenden Inhalt des Buches wagt, wird hineingezogen und immer wieder mit einem Wissens- oder Gedankenbissen belohnt.

Hanser Verlag, 2020 Fr. 33.60

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Marie-Hélène Lafon Die Annonce

Die Annonce

Von Marie-Hélène Lafon

"Landwirt, sanft, 46, sucht junge Frau, die das Land liebt"

Per Zufall sieht Annette, 37, alleinerziehend, in einer Industriestadt lebend, die Anzeige in einer Zeitschrift. Und reisst diese heraus...

Die Autorin lässt uns teilhaben an der langsamen, behutsamen Annäherung der beiden. Paul, der mit seiner Schwester und zwei Onkeln irgendwo abgelegen in der Auvergne einen Hof betreibt. Und Annette aus dem Norden Frankreichs, zusammen mit ihrem Sohn Éric.

Alle drei versuchen auf ihre Weise sich von Teilen ihrer Vergangenheit zu lösen und aus einengenden Strukturen auszubrechen.

Ein leises, sanftes, poetisches und gleichzeitig sehr ermutigendes Buch. Eine kleine, feine Buchperle aus dem Zürcher Rotpunktverlag.

Rotpunkt Verlag, 2020 Fr. 27.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Ann Patchett Das Holländerhaus

Das Holländerhaus

Von Ann Patchett

Ein facettenreicher Familienroman in dessen Mittelpunkt ein Haus steht.

Ein Geschwisterpaar wird nach dem Tod des Vaters von der Stiefmutter des Hauses verwiesen. Die eigene Mutter hatte die Familie schon vor Jahren verlassen. Der Vater tot, die Mutter unbekannten Aufenthaltes... das Holländerhaus war für die Geschwister das einzige was ihnen geblieben war und somit ein grosser Verlust. Noch als Erwachsene kehren sie regelmässig zu diesem zurück, parkieren auf der anderen Strassenseite und beobachten das Haus vom Auto aus. Für kurze Zeit kehren sie so in die Vergangenheit zurück, suchen nach Erklärungen und Zusammenhängen. 

Aus der Perspektive des Bruders erfahren wir in Rückblenden die Geschichte einer Familie.

Psychologisch gut nachvollziehbar und spannend zum Lesen.

Berlin Verlag, 2020 Fr. 33.60

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Verena Güntner Power

Power

Von Verena Güntner

"Eine faszinierende Parabel auf die Gegenwart, absurd, märchenhaft und radikal. Ein grosser Gesellschaftsroman über Macht und Niedertracht - und eine Kampfansage: So, wie es ist, kann es nicht weitergehen." (Buchumschlag)

Eine Dorfgemeinschaft im Ausnahmezustand. Alle Kinder haben sich in den Wald zurückgezogen. Dort suchen Sie mit allen Kräften und Sinnen nach Power, dem vermissten Hund einer Dorfbewohnerin. Angeführt werden die Kinder von der selbstsicheren und eigensinnigen Kerze, selbst noch fast ein Kind.

Mit Einfühlungsvermögen erzählt die Autorin was passiert, wenn eine Gemeinschaft den Kontakt zu ihren Kindern verliert.

Vielschichtig und spannend... und manchmal schwer auszuhalten.

DuMont Verlag, 2020 Fr. 33.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Monika Helfer Die Bagage

Die Bagage

Von Monika Helfer

"Das lebendige Porträt einer Frau am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts: Monika Helfer erzählt die berührende Geschichte ihrer eigenen Herkunft, sie erzählt von einer Familie, die von allen nur die Bagage genannt wird." (Buchumschlag)

Eine Familiengeschichte, erzählt aus der Sicht der Enkelin. Im Mittelpunkt steht die Grossmutter Maria. "Diese Geschichte beginnt nämlich, als meine Mutter noch nicht geboren war. Die Geschichte beginnt, als sie noch gar nicht gezeugt war. Sie beginnt an einem Nachmittag, als Maria wieder einmal die Wäsche an die Leine klammerte. Es war im frühen September 1914. Da sah sie den Postboten unten am Weg. Sie sah ihn schon von Weitem."

Die Bagage, das sind die Abseitigen, die Randständigen, die Armen. Ein starkes Familienportrait. Geschrieben auf eine lebendige, poetische Art und Weise. 

Ein berührender, liebevoller und gleichzeitig humorvoller Roman.

Hanser Verlag, 2020 Fr. 29.50

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Katya Apekina Je tiefer das Wasser

Je tiefer das Wasser

Von Katya Apekina

Keine "schöne" Geschichte, diese Geschichte über die Suche nach Grenzen und Individualität... in einem Roman der Grenzen verwischt.

Mehrmals wollte ich das Buch zur Seite legen, mehrmals habe ich mich gefragt, weshalb ich überhaupt weiterlese. Doch die Geschichte um die beiden Schwestern Edith und Mae hat mich fasziniert, sie hat mich wie einen Sog hineingezogen... ich musste einfach wissen, wie die beiden Mädchen bzw. Frauen ihr Schicksal gemeistert haben.

Aufgewachsen bei einer instabilen, fantasierenden Mutter, werden die beiden nach dem Suizidversuch der Mutter zu ihrem Vater, einem berühmten Schriftsteller, gebracht. Dies nach jahrelangem Kontaktabbruch. Für die eine bedeutet dies einen Verrat, für die andere die Chance eines Neubeginns.

Gekonnt führt uns die Autorin durch die Wirrnisse und vielschichtigen Facetten von einem Stück Zeitgeschichte (Kambodscha), von einer Familiengeschichte und von einer Liebesgeschichte.

Psychologisch, überwältigend, verstörend.

Suhrkamp Verlag, 2020 Fr. 37.40

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Judith W. Taschler Das Geburtstagsfest

Das Geburtstagsfest

Von Judith W. Taschler

Zwei Jugendlichen, Kim und Levi, gelingt in den 70er Jahren die Flucht aus Kambodscha. Die ersten Jahre leben sie in Österreich bei Ines und ihrer Familie.

Jahre später feiert Kim seinen 50. Geburtstag. Als Überraschungsgast haben seine Kinder Tevi eingeladen, welche mittlerweile in den USA lebt. Kim und Ines, inzwischen ein Paar, haben Levi seit 25 Jahren nicht mehr gesehen. Im Laufe des Geburtstagsfestes werden alte Wunden aufgebrochen, Lügen kommen ans Tageslicht...

Gekonnt führt uns die Autorin durch die Wirrnisse und vielschichtigen Facetten von einem Stück Zeitgeschichte (Kambodscha), von einer Familiengeschichte und von einer Liebesgeschichte.

Gute, spannende Unterhaltung mit überraschendem Ende!

Trömer Verlag, 2019 Fr. 34.10

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Adeline Dieudonné Das wirkliche Leben

Das wirkliche Leben

Von Adeline Dieudonné

Dieser Roman stand monatelang auf der französischen Bestsellerliste und war 2018 eines der Lieblingsbücher des Buchhandels in Frankreich.

Ein Buch, das man beim Lesen "aushalten" muss. Zart und roh, magisch und schmerzhaft, wunderschön und gleichzeitig verstörend.

"Eine Reihenhaussiedlung, wie es viele gibt. Am Waldrand, im schönsten und hellsten Haus, wohnt eine vierköpfige Familie. Ein Stück heile Welt, könnte man meinen. Wären da nicht die Leidenschaften des Vaters: neben TV und Whisky liebt er den Rausch der Jagd. Da er für einen Grosswildsafari aber selten Geld hat, befriedigt er seine Gier nach Macht meistens in den eigenen vier Wänden." (Buchumschlag)

In einer solchen Atmosphäre aufzuwachsen ist nicht einfach. Doch der jungendlichen Icherzählerin gelingt es durch ihre schlaue, sensible, sinnliche und willensstarke Wesensart, sich aus diesem Umfeld zu befreien.

Spannend wie ein Krimi, zart wie eine Liebesgeschichte.

Dtv Verlag, 2020, Fr. 27.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Thomas Röthlisberger Das Licht hinter den Bergen

Das Licht hinter den Bergen

Von Thomas Röthlisberger

Ein ruhiges, leises Buch... das beim Lesen jedoch Wellen erzeugt und in die Tiefe geht.

Ein Stück Schweizer Geschichte, er- und gelebt fernab der Ballungszentren in einem kleinen Bergdorf. Anne Schwarz, eine junge Voralbergerin, flieht 1939 über einen alten Säumerpass in ein bündner Hochtal. Der Dorflehrer Anton Marxer nimmt die Frau zu Beginn widerwillig auf und versucht ihren Aufenthalt vor der Dorfbevölkerung zu verheimlichen. Doch auf Dauer ist dies nicht möglich... und Anton Marxer wird zwischen bürgerlicher Pflicht und menschlichem Gewissen hin- und hergerissen.

"Eine Parabel über das Fremde - ein einfühlsamer Roman über erzwungene Migration, erzählt in einer bildkräftigen Sprache." (Buchumschlag)

Eine weitere Leseperle aus einem meiner Lieblingsverlage!

Edition Bücherlese, 2020, Fr. 31.20

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Charlotte Wood Ein Wochenende

Ein Wochenende

Von Charlotte Wood

Die jahrelange Freundschaft drei völlig unterschiedlicher Frauen um die 75 Jahre wird an einem Weihnachtswochenende auf die Probe gestellt.

Gemeinsam räumen die drei das Strandhaus der vor kurzem verstorbenen vierten Freundin. Dabei kommen nicht nur längst vergessene Gegenstände wieder ans Tageslicht...

Ein Roman über die Fülle weiblicher Lebensentwürfe und die verschiedenen Phasen lebenslanger Freundschaften.

Scharf gezeichnet, klug und witzig und mit viel Empathie für die einzelnen Personen erzählt.

Kein & Aber Verlag, 2020, Fr. 31.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Victor Jestin Hitze

Hitze

Von Victor Jestin

Eigentlich will der 17-jährige Léonard nicht sein, wo er ist. Auf diesem Campingplatz am Meer mit Eltern und Geschwistern. Alles spitzt sich ins Unerträgliche zu, als er fast am Schluss des Urlaubs auf einem Spielplatz Zeuge wird, wie sich der Jugendliche Oscar stranguliert. Léonard greift nicht ein, sieht ihn sterben und vergräbt den Leichnam in den Dünen.  

Später schleppt er sich durch die letzten Stunden seiner Ferien, durch Parties, Karaokesingen, Spielplätze, die heile Welt seiner Familie.  „Geniesst es, dass sind eure besten Jahre!“, schreit man ihm nach. Das gutgemeinte „Nächstes Jahr kommen wir wieder!“, klingt für ihn wie eine Drohung, die den Alptraum ins Unendliche zieht. Doch irgendwann ist der Urlaub zu Ende, die Abreise naht und Léonard...

Der Autor beschreibt die Unsicherheit von Léonard hervorragend. Eine fesselnde Lektüre die nachdenklich stimmt.

Kein & Aber Verlag, 2020, Fr. 26.90

Eduard Hirschi

 
 
 

 
 
Dave Eggers Die Parade

Die Parade

Von Dave Eggers

Tut man automatisch Gutes, wenn man Gutes tun will?

Zwei Strassenbauer, aus Sicherheitsgründen nur Nr. Vier und Nr. Neun genannt, werden von einer internationalen Baugesellschaft in ein von jahrelangem Bürgerkrieg gezeichnetes Land geschickt. Ihr Auftrag: mit einer modernen, leistungsstarken Asphaltiermaschine den armen Süden mit dem reichen Norden des Landes verbinden.

Nr. Vier hat ähnliche Aufträge schon viele Male erledigt und möchte auch diesen mit möglichst wenig Zwischenfällen schnell und korrekt erledigen um baldmöglichst zu seiner Familie in seine Heimat zurückzukehren. Für Nr. Neun ist es der erste Einsatz. Nr. Neun ist abenteuerlustig, offen für Land und Leute, hilfsbereit und in seiner Art naiv.

Die Tage vergehen, die Strasse wird länger und die Konflikte zwischen den beiden nehmen zu. Bis einer der beiden lebensbedrohlich erkrankt.

Beide kommen an ihre Grenzen und müssen sich am Ende fragen, ob sie der Bevölkerung mit dem lediglichen Erfüllen ihres Auftrages wirklich hilfreich sind.

"In <Die Parade> wächst die Angst mit jeder Seite und jeder Meile, und am Ende wird alles auf den Kopf gestellt und wir werden mitten ins Herz der Dunkelheit geführt." (Buchumschlag)

Eine fesselnde Lektüre die nachdenklich stimmt.

Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2020, Fr. 31.-

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Alexi Zentner Eine Farbe zwischen Liebe und Hass

Eine Farbe zwischen Liebe und Hass

Von Alexi Zentner

Ein glaubhaft und mitfühlend geschriebener Roman über Fanatismus, Loyalität und Zugehörigkeit. Erzählt anhand einer eindrücklichen Familiengeschichte aus der amerikanischen weissen Unterschicht.

Im Mittelpunkt steht der 17-jährige Jessup. Seine Familie ist Mitglied der Heiligen Kirche des Weissen Amerika. Dank seinem Ehrgeiz ist Jessup schulisch und sportlich erfolgreich; er kümmert sich liebevoll um seine jüngere Schwester und ist verliebt. In eine schwarze Mitschülerin. Durch einen tragischen Unfall, kurz vor dem Übertritt ins College, gerät sein Leben völlig ins Wanken. Ein schwarzer Footballspieler der Gegenmannschaft stirbt, Jessup wird verdächtigt. Durch dieses Ereignis wird er gezwungen, sich mit sich selber und seiner Umgebung auseinanderzusetzen: was glauben? wem folgen? wen lieben?

Eindrücklich und packend erzählt. Auch für junge Erwachsene sehr empfehlenswert.

Suhrkamp Verlag, Broschur, 2020, Fr. 27.30

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Abbie Greaves Hör mir zu, auch wenn ich schweige

Hör mir zu, auch wenn ich schweige

Von Abbie Greaves

Die Geschichte von Maggie und Frank - Die Geschichte einer innigen Ehe - Die Geschichte einer zermürbenden Elternschaft - Die Geschichte eines missglückenden Heranwachsens.

Die Hauptakteure des Romans sind eigentlich Geheimnisse. Diese werden uns Lesenden langsam, eines nach dem anderen enthüllt, so dass die Geschichte bzw. das Verhalten der einzelnen Personen schlussendlich einen Sinn ergibt.

Maggie und Frank. Beide über 60 Jahre alt. Frank hat seit 6 Monaten nicht mehr mit Maggie gesprochen. Den Grund dafür kennt Maggie nicht. Erst als Maggie durch ein tragisches Ereignis selbst verstummt, beginnt Frank seine Geheimnisse preiszugeben. Gleichzeitig findet er Maggie's Tagebuch mit Aufzeichnungen der letzten 6 Monate und erfährt seinerseits die Geheimnisse seiner Frau.

Ein Roman über das Rätsel der Liebe und die Macht von Reden und Schweigen.

Nachvollziehbar und berührend erzählt... so dass man als Lesende die einzelnen Personen manchmal gerne schütteln würde, weil ihr Verhalten schwer auszuhalten ist.

Fischer Verlag, Broschur, 2020, Fr. 24.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Chandler Baker Whisper Network

Whipser Network

Von Chandler Baker

"Vier Frauen, ein übergriffiger Chef - und nicht alle überleben. Ehrlich, zeitgemäss und unglaublich packend." (Buchumschlag)

Bei den ersten Seiten habe ich geschnödet... ein typischer amerikanischer Bestseller voller Stereotypen... doch dann hat es mich hineingezogen und ich habe die 480 Seiten verschlungen.

Drei Karrierefrauen ein der Rechtsabteilung einer grossen Sportbekleidungsfirma in Dallas. Gleichzeitig Freundinnen. Eine vierte, jüngere, kommt hinzu. Später eine fünfte, die Reinigungsfrau die in Spätschicht die Büros reinigt. Alle haben sie den Glauben verloren, dass ihre Stimmen in der hierarchisch strukturierten und von Männern dominierten Firma gehört werden. Gleichzeitig beteiligen sie sich alle auf die eine oder andere Weise an diesen Strukturen, wenn es um die eigenen Vorteile geht.  Und festigen die Strukturen somit. Bis eine der Frauen den Namen des Chefs auf die Liste setzt, welche heimlich unter den von Whisper Network berufstätiger Frauen weitergereicht wird. Auf die Liste mit den Namen der Männer, vor welchen Frau sich in der Arbeitswelt von Dallas hüten muss.

Kurz darauf wird die Lister veröffentlicht und die Ereignisse überstürzen sich. Es kommt zu einem Todesfall: Mord oder Suizid?

Ein Thriller auf dem Hintergrund der #MeeToo-Ära, der Muster und Abhängigkeiten aufzeigt wie auch die Schwierigkeiten diese zu durchbrechen.

Heyne Verlag, 2020, Fr. 31.00 

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Delphin de Vigan Dankbarkeiten

Dankbarkeiten

Von Delphin de Vigan

Ein zärtliches Buch über Menschlichkeit.

Michka, die stets ein unabhängiges Leben geführt hat, muss feststellen, dass sie nicht mehr allein leben kann. Geplagt von Albträumen glaubt sie ständig, wichtige Dinge zu verlieren. Tatsächlich verliert sie nach und nach Wörter, findet die richtigen nicht mehr und ersetzt sie durch ähnlich klingende. Dies führt manchmal zu komischen Versprechern. «Gehen Sie nach draussen?»  «Ja, ein bisschen, mit Marie. Einmal die Woche. Früher habe ich Balkonwanderungen gemacht, aber das schaffe ich jetzt nicht mehr.» «Balkonwanderungen?» «Ja, hin und schwer, wie ein Häftling ... Zehn Längen und manchmal sogar zwanzig, wenn ich gut in Form war.»

Die junge Marie, um die Michka sich früher oft gekümmert hat, bringt sie in einem Seniorenheim unter. 

Delphine de Vigan entwickelt ihre Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven von Michka, Marie und dem Pfleger Jerome. Alle haben in ihrem Leben Verletzungen erlitten und Verluste erlebt. 

Der Roman spiegelt einfühlsam das Leben. Alter, Krankheit, Tod, Verletzungen und Verluste und auch die Bedeutung von Mitmenschlichkeit. Und er hinterlässt die Frage, wofür wir selber dankbar sein sollten und ob wir diese Dankbarkeiten auch genügend zeigen bzw. gezeigt haben.

„Dankbarkeiten“ ist ein Roman, wo ich dankbar bin, ihn gelesen zu haben. 

Dumont Verlag, 2020, Fr. 31.00 

Eduard Hirschi

 
 
 

 
 
Christopher Kloeble das Museum der Welt

Das Museum der Welt

Von Christopher Kloeble

Ein spannender Abenteuerroman auf dem Hintergrund von Indiens Kolonialzeit und aus der Perspektive eines klugen und selbstbewussten Waisenjungen aus Bombay.

Der äusserst intelligente, in einem jesuitischen Waisenhaus aufgewachsene 12-jährige Bartholomäus, spricht ebensoviele Sprachen, darunter auch Deutsch. Dies ermöglicht ihm, als Übersetzer für die deutschen Brüder Schlagintweit 1854 zu einer grossen Forschungsexpedition aufzubrechen und mit der Unterstützung von Alexander von Humboldt Indien und den Himalaya zu durchqueren.

Auf dieser Reise findet Bartholomäus vieles über sein Land heraus und er sehnt sich danach, das erste Museum Indiens zu gründen. Dafür sammelt er auf der Reise Objekte, Gefühle, Träume und Erinnerungen. Und erzählt uns anhand dieser ein Stück seiner eigenen Geschichte wie auch jener seines Landes.

Mit viel Witz und Menschlichkeit geschrieben, liest sich das Buch zugleich wie ein historischer als auch ein Abenteuer- und Spionageroman.  

dtv Verlag, 2020, Fr. 36.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Nick Hornby Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Von Nick Hornby

Eine Ehe in zehn Sitzungen. 

15 Ehejahre, die Beziehung steckt in einer Sackgasse und Tom und Louise machen bei Frau Kenyou eine Paartherapie. Tom ist Musikkritiker, arbeitslos, etwas bockig, schusslig… Louise ist Gerontologin, erfolgreich, taff und klug. 

Mittelpunkt des Buches sind nicht die Therapiesitzungen oder die Probleme in der Beziehung, sondern ein Pub, wo sich das Paar vor den Sitzungen trifft. Bei einem Pint und einem Glas Weisswein tauschen sie sich jeweils aus, dies in ironischem, sarkastischem und humorvollem Umgangston. 

«Das Problem ist: Die Ehe ist wie ein Computer. Man kann sie auseinandernehmen, um nachzuschauen, was drinsteckt, aber dann hat man hinterher hunderttausend Einzelteile in der Hand.»  

Die 10 kurzen Kapitel lesen sich «süffig», wie ein spannendes Drehbuch... ich habe es in einem Zug gelesen, denn ich wollte unbedingt wissen, was aus dem Paar schlussendlich wird.  

Kiepenheuer & Witsch, 2020, Fr. 27.90 

Eduard Hirschi

 
 
 

 
 
Im Garten von Monet Kaatja Verliere

Im Garten von Monet

Von Kaatje Vermeire

»Vielleicht verdanke ich es den Blumen, dass ich Maler geworden bin«, sagte Claude Monet. 

Kaatje Vermeire verdanken wir ein wunderschönes und farbenprächtiges Bilderbuch, das sich dem großen Meister der Natur- und Landschaftsmalerei nähert, ohne ihn zu imitieren. Monet ist auf jeder Seite anwesend - und doch findet Vermeire zu ihrem poetischen Text ihre ganz eigene Bildsprache. 

Für Gross und Klein ab 3 Jahren. 

Verlag Freies Geistesleben, 2020, Fr. 27.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Klaus Modick Leonard Cohen

Leonard Cohen

Von Klaus Modick

Um 1968 tingeln Lukas und Harry als Zwei-Mann-Band durch die deutsche Provinz, covern Beatles, Kinks und Donovan, und denken: Besser geht's nicht. Bis Lukas eines Nachts im Radio Leonard Cohens »Suzanne« hört, aber sich weder Titel noch Interpret merken kann... und auf die Suche nach dieser einen lebensverändernden Platte geht.  

«Lukas legte eine CD auf, «don’t dwell on what has passed away or what is yet to be –“, strich mit dem Zeigefinger über die Rücken von Cohens Büchern und zog das erste, das er gekauft hatte, aus dem Regal.» 

Eine wunderbare kurze Lektüre übers Erwachsenwerden. 

KiWi Musikbibliothek, 2020, Fr. 15.50

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Peter Zantingh Nach Mattias

Nach Mattias

Von Peter Zantingh

Ein sensibler Roman über acht unterschiedliche Personen, welche in irgendeiner Weise vom Tod von Mattias betroffen sind. Wie Puzzleteile fügen sich die Geschichten dieser Personen aneinander und geben uns Lesenden einen Eindruck über das Leben von Mattias. Über seine Begeisterungsfähigkeit, seine Wärme, seinen Mut. Aber auch über seine Sprachlosigkeit und seine Ausweichmanöver.

"Ein Roman der wachrüttelt und den Blick schärft für das, was wirklich von Bedeutung ist." (Klappentext)

Diogenes Verlag, 2020, Fr. 32.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Dort Dort Tommy Orange

Dort Dort

Von Tommy Orange

Ein Roman über Native Americans.

Der Autor Tommy Orange, geboren in Oakland, ist Mitglied der Cheyenne und Arapaho Tribe und lebt mit seiner Familie im Angels Camp in Kalifornien.

"Jacquie ist endlich nüchtern und will zu der Familie zurückkehren, die sie vor vielen Jahren verlassen hat. Dene sammelt mit einer alten Kamera Geschichten von indianischem Leben. Edwin sucht seinen Vater. Und Orvil will zum ersten Mal den Tanz der Vorfahren tanzen. Ihre Leben sind miteinander verwoben, und sie sind zum grossen Powwow in Oakland gekommen, um ihre Traditionen zu feiern. Doch auch Tony ist dort, und Tony ist mit dunklen Absichten gekommen." (Klappentext)

Feinfühlig und gleichzeitig kraftvoll und sehr lebendig sind die verschiedenen Personen beschrieben. Immer sind wir als Lesende ihnen sehr nahe und begleiten sie ein Stück. 

Vom ersten Kapitel an ist klar, dass am Ende des Buches am Tage des Powwow, etwas passieren wird. Unklar ist was. Die Spannung bleibt dadurch bis zum Schluss, bis sie sich in Schock wandelt.

Treffend beschreibt Marlon James diesen Erstlingsroman: Dort Dort kommt über uns wie ein Donnerschlag, mächtig und explosiv.

Hanser Berlin Verlag, 2019, Fr. 33.60

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Gianrico Carofiglio Drei Uhr Morgens

Drei Uhr Morgens

Von Gianrico Carofiglio

Die Geschichte einer Annäherung zwischen Vater und Sohn.

Für einen neurologischen Befund muss Teenager Antonio mit seinem Vater zu einem Arzt nach Marseille. Erst vor Ort erfahren die beiden, dass sie 48 Stunden nicht schlafen dürfen. In dieser Zeit lernen die beiden nicht nur Marseille bei Tag und bei Nacht, sondern sich auch gegenseitig völlig neu kennen. Denn zu Hause im Alltag haben Vater und Sohn wenige Berührungspunkte. Antonio lebt seit der Trennung der Eltern mit seiner Mutter und sieht den vielbeschäftigten Professorenvater nur selten. 

Ein berührend und gleichzeitig humorvoller Roman.

Folio Verlag, 2019, Fr. 31.00

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Susan Hill Die kleine Hand

Die kleine Hand

Von Susan Hill

Eine Gespenstergeschichte.   

England. Auf dem Lande. Es ist spät. Adam Snow, der mit wertvollen Büchern handelt, nimmt auf der Heimfahrt nach einem Kundenbesuch die falsche Abzweigung und findet sich vor einem alten verlassenen Haus wieder.  Neugierig steigt er aus und nähert sich dem verwilderten Anwesen, bis plötzlich eine kleine kalte Hand nach seiner greift... er steigt in sein Auto und fährt weiter. Zu Hause beginnt er nachzuforschen und erfährt immer mehr über das seltsame Haus. Immer wieder fühlt er auch den Griff der kalten Hand, der stärker und stärker wird...

Mit Gänsehaut-Garantie.

Kampa Verlag, 2019, Fr. 26.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Peter Weibel Schneewand

Schneewand

Von Peter Weibel

«Wenn wir jetzt gehen, sagte Leon, ist es noch möglich. Schon in einer, in zwei Stunden kann es zu spät sein.» 

Drei Personen werden auf ihrer Bergtour von einem Schneesturm überrascht und flüchten in einen Rettungscontainer. Fünf Tage würden sie dort überleben können, was danach kommt ist unklar. 

Eine Meditation über Solidarität, Hoffnung und Widerstand, eine Reise an existenzielle Grenzen.

Ein Buch wie ein Sog in die eigenen Tiefen...

Edition Bücherlese, 2019, Fr. 28.80

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Delia Owens Gesang der Flusskrebse

Der Gesang der Flusskrebse

Von Delia Owens

Neben <Alte Sorten> von Ewald Arenz ist das Debüt <Der Gesang der Flusskrebse> von Delia Owens mein zweites Lieblingsbuch im 2019.

Früh verlässt die Mutter von Kya ihre Kinder und lässt diese mit einem mehr ab- als anwesenden Vater alleine. Die älteren Geschwister gehen bald ihre eigenen Wege, so dass Kya auf sich selbst gestellt ist. Von allen "das Marschmädchen" genannt, wächst sie isoliert im Marschland von North Carolina auf. Ihre Welt ist die unmittelbare Umgebung. Sie kennt jeden Stein und Seevogel, jede Muschel und Pflanze. Den Menschen bleibt sie mit wenigen Ausnahmen fern.

In bewegend schönen Bildern und poetischer Sprache erschafft die Autorin mit der wilden Kya eine unvergessliche Heldin. Der Roman ist zugleich eine Ode an die Natur, eine herzzerreissende Liebesgeschichte und ein spannungsreiches Gerichtsdrama um einen Mord.

Hanserblau Verlag, 2019, Fr. 32.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Lukas Meschik Vaterbuch

Vaterbuch

Von Lukas Meschik

Ein philosophisch-poetisches Buch, geschrieben mit Liebe zum Detail und feinfühligem Humor.

Die Ich-Person, ein Schriftsteller, verarbeitet schreibend den Tod seines Vaters. 

"Ein trauernder Sohn schreibt, beobachtet sich selbst beim Schreiben und Lesen - Handke, Knausgard, Foster Wallace, Kafka, Hermann -, sinniert über Tod und Vergänglichkeit, über das Leben und die Mitmenschlichkeit. Er erinnert sich an kostbare Details, bewahrt kleine Szenen, schaut auf seinen Vater, auf sich und auf ihre Beziehung zueinander und vebietet sich dabei Larmoyanz und Bitterkeit." (Klappentext)

Eine würdevolle und feinfühlige Auseinandersetzung mit dem Tod eines Elternteils.

Limbus Verlag, 2019, Fr. 27.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
joachim schnerf wir waren eine gute erfindung

Wir waren eine gute Erfindung

Von Joachim Schnerf

Der alte Salomon bereitet sich aufs Pessachfest vor. Am Abend werden seine beiden Töchtern mit Ehemännern und Enkelkindern zu ihm kommen. Es wird das erste Pessachfest seit Jahren ohne seine Frau Sarah sein. Denn diese ist vor wenigen Monaten gestorben.

In den verbleibenden Stunden vor dem Eintreffen der Familie, folgen wir Salomons Gedanken... wechselnd zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

"Wie die Erinnerung an Sarah, an das gemeinsame Glück, aber auch die schweren Zeiten bewahren? Wie dieser Familie mit all ihren Neurosen ein neues Zuhause geben?" (Klappentext)

Ein wunderbar feinfühliger Roman darüber was es heisst, angesichts von Verlust und Grauen der Vergangenheit (Salomon ist Auschwitz-Überlebender) die Familie und das Leben allgemein neu zu (er)finden.

Antje Kunstmann Verlag, 2019, Fr. 27.90

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Violaine Bérot Doppelbruder

Doppelbruder

Von Violine Bérot

Kein Buch für Zartbesaitete.

"Ich wollte ein Kind, das hatte ich neulich beschlossen. Ich wollte ein Kind. Ich hatte mir alles gut überlegt. Von den Kerlen hatte ich die Schnauze erst mal voll. Jetzt fand ich, war ich in einem Alter für die ernsten Dinge des Lebens." Von einem Fernfahrer lässt sich <Die Mutter> schwängern. Doch es kommt anders als geplant. "Zwei auf einmal! Dieser Dreckskerl hat mir zwei auf einmal gemacht! Ich wollte ein Kind, und soviel ich weiss, ist das für einen Typen kein Hexenwerk, einem Mädel ein Kind zu machen. Aber nein, der Kerl musste einen auf dicken Maxe machen und noch einen drauflegen. Zwei auf einmal..."

Und damit beginnt die tragische Geschichte. Denn die Liebesgefühle der Mutter reichen lediglich für ein Kind, für Titou. <Der Andere>, Titous Zwillingsbruder, vernachlässigt sie völlig. Bis Titou als Jugendlicher die erdrückende Liebe der Mutter nicht mehr aushält und sich mit dem <Anderen> verbündet.

"Meine Mutter glaubt, dass sie ein Recht auf eine zweite Chance hat, dass sie alles Knall auf Fall hinschmeissen kann, um neu und besser anzufangen. Sie hat nichts vom Leben verstanden." Dies die Worte von Titou am Ende des Buches.

Psychologisch durchdacht und mit starkem Sog. Wer sich auf die Geschichte, abwechselnd erzählt aus der Sicht aller Beteiligten, einlässt, wird das Buch bis zur letzten Seite in einem Zug lesen wollen...

Ein mutiges Buch aus einem kleinen Zürcher Verlag.

Pearlbooksedition, 2019, Fr. 27.50

Monika Künzler

 
 
 

 
 
martyna bunda das glück der kalten jahre

Das Glück der kalten Jahre

Von Martyna Bunda

Das literarische Debüt der polnischen Journalistin Martyna Bunda: eine starke, weibliche Familiensaga.

Im Zentrum des Romans steht Rozela, alleinerziehende Mutter dreier Töchter. Umwoben wird deren Geschichte mit den Lebensgeschichten dieser Töchter: Gerta, der Vernünftigen; Truda, der Lebenshungrigen und Leidenschaftlichen; Ilda, der Motorradfahrerin. Eingebettet in die Vor- und Nachkriegszeit Polens, begleiten wir als Lesende die vier völlig unterschiedlichen Frauen und nehmen an deren Leben im einem kaschubischen Dorf in der Nähe von Danzig teil. 

Es sind die präzisen und immer wieder auch humorvollen Alltagsbeschreibungen sowie der laufende Wechsel zwischen Bildern von Unschuld, Lebenshunger und Zerstörung, welche den Roman so lebendig machen. Erzählt wird die Geschichte in stetiger Abwechslung aus der Sichtweise der vier Frauen.

Suhrkamp Verlag, 2019, Fr. 37.50

Monika Künzler